Hase

Der Fisch in mir

Letztes Wochenende war ich bei Walters Familie in ihrer Edelhütte zu Besuch. Ich wurde freudig begrüßt und bekam ein Stück frische Scholle. Nachdem ich alles verputzt hatte, begab ich mich auf die Sitzlandschaft. Gerade als ich ein Verdauungsschläfchen machen wollte, versammelte sich die Familie in der Wohnküche. Walter kramte eine DVD aus dem Regal, schaltete den Fernseher an, sagte: „So, hier also der versprochene Film. Dann schaut mal schön, Mama und ich fahren zum Einkaufen. In zwei Stunden sind wir wieder da“, und verließ mit Susi das Haus.

Max und Moritz setzten sich auf die Couchmodule rechts von mir und machten es sich gemütlich. Es lief der Film: „Der Fisch in uns“ – die Dokumentation eines amerikanischen Paläontologen über die Entwicklungsgeschichte des Menschen. Max und Moriz starrten gebannt auf den Bildschirm, wo neben Ausgrabungsstätten, Fossilien, Interviews mit Wissenschaftlern auch immer wieder computergenerierte Urzeitwesen gezeigt wurden.

Dann kam die Stelle, wo der amerikanische Wissenschaftler die Entwicklung der Gliedmaßen vom Urzeitfisch bis zum Menschen unter die Lupe nahm. Er analysierte die Gene und die Anatomie des Tiktaalik (Urzeitfisch), eines Hais, eines Huhns, einer Maus, des Menschen und erkannte bei allen das gleiche Grundmuster in der Anordnung der Gliedmaßen, bestehend aus einem Knochen (Oberarm) zwei Knochen (Elle und Speiche) und vielen kleinen Knochen (Finger). Dieses Grundmuster galt als Beleg für die Verwandtschaft von Fisch und Mensch. Fazit: Der Mensch hat Fisch in sich.

Moritz, der kleinere der beiden Brüder, war fasziniert von dem Satz: „ein Knochen, zwei Knochen, viele kleine Knochen“ und von der Idee, dass der Mensch Fisch in sich hat. Auf der Suche nach ein Knochen, zwei Knochen, viele kleine Knochen tastete er erst seinen eigenen Körper ab, dann den seines Bruders Max, dann kam ich dran: „Na Mietze, hast Du auch Fisch in Dir?“ Er drückte meine Vorderläufe, zog an meinen Ohren, tatsche an meinem Rücken rum und presste schließlich seine Fingerchen in meinen Bauch. Mir wurde schlecht, ich übergab mich und der Fisch (Scholle), der eben noch in mir war, lag nun vor mir. In kleinen, von Magensaft umgebenen Stücken zierte er Bouillabaisse-gleich die Sitzfläche der mit Leder bezogenen Couchgarnitur.

Ich machte mich aus dem Staub. Das filmische Ereignis hinterließ einen bleibenden Eindruck bei mir. In den Tagen danach begegnete ich noch diesem und jenem. In vielem erschien mir der Fisch darin.

Fischbanane-Illustration Fischfuchs-Illustration Fischhase-Illustration-Cartoon Fischmenschen-Illustration-Cartoon