Walter

Walters Bart

Es ist raus. Walter ist jetzt solo. Seine Frau Susi hat ihn verlassen. Die Kinder hat sie mitgenommen. Auf und davon ist sie, nach Australien. Da hat sie wohl nen Neuen.

„Was sie an dem nur findet, Mietze? Was hat der nur, was ich nicht habe? Noch nicht mal Haare hat er. Ach, soll sie doch mit dem Glatzkopf bleiben wo der Pfeffer wächst“, vertraute mir Walter vor ein paar Tagen nach Beendigung der Schmollphase an. Dann schaute er in den Spiegel – wir befanden uns im Badezimmer – strich über seinen Bart, seufzte: „Da müssen wir jetzt ran, was Mietzilein?“, nahm die Schere, kappte das Barthaar auf Vor-schmoll-Phasen-Länge und überlegte, sein Konterfei taxierend: „Was machen wir denn daraus Schönes, hm, gibt ja heute die dollsten Sachen?“

 

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„Am Ende hat sie sich an meinem Bart gestört, jetzt, wo sie auf mit ohne Haare steht. Soll ja voll sein mit Bakterien, so ein Bart.“, nuschelte er, während er sich großzügig mit Rasierschaum einseifte. Dann griff er zum Rasierer und machte sich ans Werk. Bald war das Vor-schmoll-Phasen-Stadium wieder hergestellt

 

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und er nahm die behaarte Zone über der Oberlippe in Angriff. „So ein Bart ist ja Ausdruck für Individualität und Selbstbewusstsein, sagt man“, erklärte er, in seinem Tun plötzlich inne haltend.

 

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„Egal, was ab muss, muss ab“, fuhr er fort und rasierte weg, was ihn ein halbes Leben lang, die glücklichen Ehejahre mit Susi inklusive, begleitet hatte.

„Na, wie seh ich aus?“, wollte er wissen.

 

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„Ist mir egal, so lange Du nicht auf die Idee kommst, mich zu rasieren“, gab ich zur Antwort.

„Wie neu geboren, was Mietze?“, fügte er an, tätschelte meinen Kopf und startete mit einem beherzten „So, jetzt gehen wir frühstücken“ in sein neues Leben.

Es scheint etwas Befreiendes zu haben, sich die Haare abzuschneiden. Ich habe das bei Menschen schon öfter beobachtet, das zeitgleiche Abwerfen von Fell und seelischen Altlasten. Walter geht es jetzt auf jeden Fall wieder besser.

Euch eine wundervolle Woche,

Eure Monni

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Walter ist komisch

Etwas ist mit Walter. Vor zwei Wochen kam er mit prall gefülltem Koffer und verschwand oben in der Ferienwohnung. Seitdem wohnt er da. Das heisst, er vegetiert vor sich hin: Er verlässt das Haus nicht, verbringt den ganzen Tag und die ganze Nacht im Bett, kommt nur runter, um mich zu füttern oder wenn es an der Tür klingelt und irgendein Bringdienst Nahrungsmittel abliefert – Pizza, Bier, Katzenfutter.

Anders als sonst redet er nicht viel. Seine verbalen Äusserungen beschränken sich auf „Mann“, „Mannomann“, „Ohmannomann“, jeweils eingebettet in sehr lang gezogene „Pffff….ts“. Er wäscht sich nicht, kämmt sich nicht, wechselt seinen Pelz nicht. Mit jedem Tag wird der Geruch, der aus der Ferienwohnung kommt, interessanter. Seltsam.

 

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Wie lange dieser Zustand geistiger Zerrüttung wohl anhalten mag? Und was die Ursache dafür sein mag? Sobald ich mehr weiss, werde ich Euch berichten.

Kommt gut durch die nächste Woche, Eure Monni

Herbst

Letzte Woche, ich saß mit Karthäuser unter dem Lorbeerbusch hinter meinem Haus, kam Walter, mein Versorger, rammte eine Grabgabel in die Erde des Blumenbeets in unmittelbarer Nähe unseres Unterschlupfs, stellte einen großen Weidenkorb am Rande der Beetbegrenzung ab und ließ seinen Blick über die Zierpflanzenrabatte schweifen.

„Ah Mietzilein! Und wer ist das da neben Dir? Aha, der Graue, hoher Besuch, was? Seid Ihr am Mausen? Man kann Euch ja kaum erkennen bei dem Nebel“, sagte er, nachdem er uns entdeckt hatte, fummelte eine Gartenschere aus den Eingeweiden seines Blaumanns hervor, seufzte: „Pfffff, dann wollen wir mal, was?“ und machte sich daran, die vom ersten Nachtfrost dahin gerafften Dahlienstängel fünf Pfoten breit über der Erde zu kappen.

„Schaut Euch das an,

 

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so ein Jammer,

 

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gestern noch in voller Blüte

 

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und heute – ?

 

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Jetzt isser da,

 

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der Herbst,

 

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was?“, erklärte er und entledigte Dahlienpflanze um Dahlienpflanze ihrer dicht mit Blüten besetzten Triebe, die durch die Minustemperaturen eine Vanitas versinnbildlichende Optik erhalten hatten.

„Ach ja“, stöhnte Walter, als er den Haufen mit Schnittgut auf den Kompost warf. Dann machte er sich daran, die unterirdischen Teile der Dahlienpflanzen auszugraben, setzte sie Knolle um Knolle vorsichtig in den mitgebrachten Weidenkorb, raunte: „So, jetzt geht’s in den warmen Keller. In eine Kiste mit Sand“ und verschwand Richtung Haus im Nebel.

Während ich mir ausmalte, wie komfortabel es sein wird, demnächst bei Schietwetter wieder inhäusig mein Geschäft zu verrichten,

 

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erhob Karthäuser neben mir erst sich, dann seine Stimme und kommentierte frei nach Dieter Hildebrandt das eben geschehene Schauspiel mit den Worten: „Und wenn Du meinst, dass du bald sterbst, ist Herbst.“ Dann verschwand er ebenfalls im Nebel.

Ja, jetzt ist er also vorbei, dieser doch noch grandios gewordene Sommer. Ich hoffe, weltbeste Blogleserinnen und Blogleser, Ihr habt genug Sonne getankt. Schön, dass es Euch noch gibt und Ihr hier vorbei schaut.

Ich wünsche Euch eine prima Woche. Eure Monni

Kummerhorst

 

Letzten Samstag kam Besuch: Horst.

Horst

Walter, mein Versorger bat seien Freund herein. Sie kamen in mein Zimmer und setzten sich neben mich auf mein Sofa. Horst ging es nicht gut und er klagte Walter sein Leid: Er wisse auch nicht, was mit ihm los sei, ihm sei so…

Alle: Kinder, Frau, Chef, Finanzamt, würden was von ihm wollen. Er fühle sich so zerrissen.

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Es sei zum Mäuse melken, manchmal wisse er nicht, wo ihm der Kopf stehe.

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Dann würde er sich am liebsten in Luft auflösen.

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„Eieieieiei“, sagte Walter und strich über mein Fell. „Das ist ja, …, hmmm…“ Dann schlug er Horst vor, einen Waldspaziergang zu machen. Bewegung, frische Luft, der Anblick der Natur, das befreie.

„Bisse jeck?“, entgegnete Horst und strich ebenfalls über mein Fell. Eine ganze Weile lang. Dann tätschelte er meinen Kopf und raunte: „Lommer jonn“. Die beiden erhoben sich, verließen mein Zimmer und schließlich das Haus.

Nachdem die Tür ins Schloss gefallen war, döste ich noch eine Weile vor mich hin. Dann schlief ich ein und hatte einen wunderbaren Traum.

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Eine schöne Woche wünsche ich Euch, Eure Monni

P.S.: Horst, wer ist das jetzt schon wieder? wird sich jetzt vielleicht der eine oder die andere von Euch fragen. Wer mehr zu ihm erfahren will, kann in der Leiste rechts unter „Kategorien“ auf „Horst“ klicken.

„Ausflug“ mit Walter

„Na, Mietzilein, heute machen wir einen Ausflug, was?“, sagte Walter neulich, setzte mich in eine Gitterbox, packte mich ins Auto und fuhr los.

Illustration Katze in Transportbox

Mir war, als ob es tausend Gitterstäbe gäbe und hinter tausend Gitterstäben eine ganz, ganz, ganz, ganz gemeine Welt. Ich beschwerte mich. „Nicht schimpfen, Mietzilein, wirst sehen, das geht ganz schnell. Ist ja nur zur Kontrolle“, erklärte Walter und fuhr einfach immer weiter.

Strasse

Dann waren wir da. Eine Frau hob mich aus der Gitterbox und setzte mich auf einen Tisch. Sie roch nach Hund, Katze, Vogel und Desinfektionsmittel. Dann ging es los. Die Frau riss meinen Kiefer auf,

Illustration Katzengebiss

setzte mich auf eine Waage,

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drückte mir ein Stethoskop auf das Fell

Monni-Stethoskop

und rammte mir eine Spritze in den Hintern.

Monni-Spritze

„Na siehst Du, war doch überhaupt nicht schlimm“, sagte die Frau dann, griff eine Tube mit einer widerlich riechenden Paste,

Opticat-Paste

tat sich davon was auf ihren Finger und hielt ihn vor meine Nase.

Monni-kriegt-Opticat

Ich lehnte dankend ab, Walter packte mich wieder in die Gitterbox und wir fuhren nach Hause. Wieder in Freiheit, warf ich Walter noch einen angemessenen Blick zu

Monni-in-Freiheit

und machte mich aus dem Staub. Als ich zurück kam, hatte Walter mir ein Versöhnungsmenü hingestellt: Eine Schale mit Nassfutter: Huhn, eine Schale mir Trockenfutter: Meeresfrüchte und auf einem Extratellerchen ein Stück frischen Lachs. Was man alles über sich ergehen lassen muss, damit man was Vernünftiges zu Fressen bekommt.

Euch wünsche ich eine prima Woche. Und nehmt Euch in Acht vor Ausflügen! Eure Monni

Seilschaft mit Reinhold Messner

Neulich morgens, ich lag auf meiner Fensterbank, schlug ich die Augen auf und sah das: Bergsteigerspinne-und-Monni-Illustration Ich machte die Augen schnell wieder zu, schlief ein und träumte von Reinhold Messner. Wir waren unterwegs zum Gipfel eines Berges, den noch nie zuvor ein Mensch (und keine Katze) bestiegen hatte. Wir waren fast am Ziel, da rutschte ich ab. Das Seil mit dem ich gesichert war, Reinhold Messner hatte es fest im Griff, spannte sich, dann, ich weiß auch nicht warum, ich bin ja gar nicht so schwer, riss es und ich fiel in die Tiefe. Herr Messner rief von oben: „Mietze, Mietzilein…“. Im freien Fall befindlich dachte ich darüber nach, was die Stewardess wohl gleich zu essen bringen würde. Kurz bevor ich unten ankam, wachte ich auf. Über mir vernahm ich Walters Stimme: „Mietze, Mietzilein, na, bist Du wach? Jetzt gibt’s Frühstück, was?“. Walter, der sich über mich beugte, kraulte meinen Kopf. Aus dem Radio trällerte Jefferson Airplane: „Give me a ticket for an aeroplane. Ain’t got time to take a fast train. Lonely days are gone, I’m a going home…“

Der Fisch in mir

Letztes Wochenende war ich bei Walters Familie in ihrer Edelhütte zu Besuch. Ich wurde freudig begrüßt und bekam ein Stück frische Scholle. Nachdem ich alles verputzt hatte, begab ich mich auf die Sitzlandschaft. Gerade als ich ein Verdauungsschläfchen machen wollte, versammelte sich die Familie in der Wohnküche. Walter kramte eine DVD aus dem Regal, schaltete den Fernseher an, sagte: „So, hier also der versprochene Film. Dann schaut mal schön, Mama und ich fahren zum Einkaufen. In zwei Stunden sind wir wieder da“, und verließ mit Susi das Haus.

Max und Moritz setzten sich auf die Couchmodule rechts von mir und machten es sich gemütlich. Es lief der Film: „Der Fisch in uns“ – die Dokumentation eines amerikanischen Paläontologen über die Entwicklungsgeschichte des Menschen. Max und Moriz starrten gebannt auf den Bildschirm, wo neben Ausgrabungsstätten, Fossilien, Interviews mit Wissenschaftlern auch immer wieder computergenerierte Urzeitwesen gezeigt wurden.

Dann kam die Stelle, wo der amerikanische Wissenschaftler die Entwicklung der Gliedmaßen vom Urzeitfisch bis zum Menschen unter die Lupe nahm. Er analysierte die Gene und die Anatomie des Tiktaalik (Urzeitfisch), eines Hais, eines Huhns, einer Maus, des Menschen und erkannte bei allen das gleiche Grundmuster in der Anordnung der Gliedmaßen, bestehend aus einem Knochen (Oberarm) zwei Knochen (Elle und Speiche) und vielen kleinen Knochen (Finger). Dieses Grundmuster galt als Beleg für die Verwandtschaft von Fisch und Mensch. Fazit: Der Mensch hat Fisch in sich.

Moritz, der kleinere der beiden Brüder, war fasziniert von dem Satz: „ein Knochen, zwei Knochen, viele kleine Knochen“ und von der Idee, dass der Mensch Fisch in sich hat. Auf der Suche nach ein Knochen, zwei Knochen, viele kleine Knochen tastete er erst seinen eigenen Körper ab, dann den seines Bruders Max, dann kam ich dran: „Na Mietze, hast Du auch Fisch in Dir?“ Er drückte meine Vorderläufe, zog an meinen Ohren, tatsche an meinem Rücken rum und presste schließlich seine Fingerchen in meinen Bauch. Mir wurde schlecht, ich übergab mich und der Fisch (Scholle), der eben noch in mir war, lag nun vor mir. In kleinen, von Magensaft umgebenen Stücken zierte er Bouillabaisse-gleich die Sitzfläche der mit Leder bezogenen Couchgarnitur.

Ich machte mich aus dem Staub. Das filmische Ereignis hinterließ einen bleibenden Eindruck bei mir. In den Tagen danach begegnete ich noch diesem und jenem. In vielem erschien mir der Fisch darin.

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Von Zwergen, Bären und anderen schrägen Wesen

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Eine verrückte Woche liegt hinter mir. Schon am letzten Donnerstag ging es los. Bereits früh morgens hielt ein Bus mit der Aufschrift „Narren auf Tour“ auf dem Dorfplatz. Dem Gefährt entstieg eine Horde Wildgewordener im Schlafmützengewand. Nachdem ihnen vom örtlichen Landfrauenverein eine Gulaschsuppe kredenzt worden war, zogen sie durchs Dorf. Sie schlugen mit Suppenkellen und Kochlöffeln auf Töpfe und Bratpfannen ein und skandierten, vor jedem Haus Halt machend, in atonaler Eintracht, wüste Schlacht- und traditionelle Bettelgesänge.

Illustration Geltentrommler

Irgendwann waren sie schräg gegenüber bei Meiers angelangt. Sie brüllten die Losung: „Hoorig, hoorig, hoorig isch diä Chatz, und wenn diä Chatz it hoorig isch, dänn fangt sie kaini Müüs“, die Tür öffnete sich, heraus kamen Frau Meier mit einem Sack voller Süßigkeiten und Herr Meier mit einer Flasche Schnaps und einem Tablett Gläser. Die Süßigkeiten wurden in einen mitgeführten Leiterwagen, der Schnaps auf die schon heiseren Kehlen geschüttet. Dann zogen sie weiter.

Am Nachmittag kam eine Gruppe phantastisch kostümierter Frauen an meinem Fenster vorbei. Mit dabei war Susi, als Harald Glööckler verkleidet. Einige der Frauen fuchtelten schrill lachend mit Scheren in der Luft herum.

Am nächsten Morgen, ich war gerade dabei, die Freitagsgeschichte zu posten, machte sich ein Bär mit gekappter Krawatte torkelnd an meinem Fenster zu schaffen. Mit dem abgeschnittenen Teil der Krawatte vollführte er wilde Auf- und Abbewegungen, als wolle er das Fenster putzen oder mir zuwinken.

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Den ganzen Samstag über liefen kleine Cowboys, Indianer, Hexen, Skelette, Prinzessinnen… im Dorf umher, ließen Knallfrösche los, jagten einander mit Besen und Beil die Straße hoch und runter oder machten anderen Unfug. Abends sah ich dann Susi, alias Harald Glööckler, gemeinsam mit dem Bären und ein paar Gartenzwergen zum Ochsen schlendern.

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Dort wurde bis spät in die Nacht eine wilde Party gefeiert. Immer wenn die Tür vom Ochsen geöffnet wurde, schwappte die Geräuschkulisse aus Gelächter, Palaver und lauter Musik raus in die Nacht.

Am Sonntag war es dann sehr ruhig im Dorf.

Am Montag bekam ich Besuch von Walter und Horst. Sie kamen vom Ochsenschwanzsuppe-Essen im Ochsen und waren als Piraten verkleidet. Walter holte aus der Ferienwohnung im Obergeschoss den Fernseher und stellte ihn in meinem Zimmer auf. Dann machten es sich die beiden auf MEINEM Sofa gemütlich und schalteten den WDR ein, um dort den Kölner Rosenmontagszug anzuschauen. Als es los ging, sagte Horst. „Katz, luhr ens, dä Zoch kütt“.

Am Dienstag war wieder alles normal. Nur ein paar Gemeindearbeiter, die mit Straßenkehrmaschine und Besen den Dorfplatz reinigten, erinnerten noch an den Ausnahmezustand der Vortage.

Und Ihr habt Ihr auch so eine verrückte Woche hinter Euch? Lasst es mich wissen, wenn Ihr mögt, Eure Monni.

Walter macht Steuer

Am Montagmorgen, nachdem er mir mein Frühstück gemacht hatte, legte Walter die Stirn in Falten und stöhnte: „So, Mietzilein, heute machen wir Steuer“. Ich freute mich darauf, mich in die Anschauung seines Tagwerks „Steuer machen“ – was immer das bedeuten mochte – zu versenken, um bei dem Stelldichein zweier gegensätzlicher Arten von Zeitvertreib, seinem Tun und meinem Nichtstun, in meditative Sphären zu gelangen und nahm Platz auf dem Sofa.

Walter entnahm dem Wandregal über dem Schreibtisch diverse Schuhkartons, stellte sie auf dem Fußboden in Reihe, setzte sich mit einem lauten Seufzer daneben, zog einen der bis zum Rand mit Papieren gefüllten Kartons zu sich heran und begann, das Schichtwerk aus Rechnungen, Belegen, Infobriefen, Kontoauszügen… Blatt für Blatt zu sichten und an ausgewählte Stellen auf dem Parkett zu sortieren. Dabei murmelte er, jeweils eingeleitet durch ein Ächzen, Begrifflichkeiten, wie „Mieteinnahmen Balduinstraße“, „Ausgaben Ferienwohnung“, „Kapitalerträge“, „Privat“, „Diverses“… Nach und nach entstand um ihn herum eine Landschaft aus Papierhaufen. Hin und wieder hielt er inne und blickte griesgrämig auf die vor ihm aufgereihten vollen Kartons, offenbar ein Spalier des Grauens. Dabei entfuhren ihm Leidensäußerungen, wie „Ojeoje“, „Eieieieiei“ und „Pffffffff“. Vor allem dieses „Pffffffff“ glich dem Zischen eines Dampfdruckkessels bei Erreichen der Siedetemperatur und ließ mich jedes Mal hoch schrecken. An Meditation war hier nicht zu denken. Auch Ohren zuhalten nützte nichts. Walters Gestöhne drang durch meine Pfoten hindurch in meine Gehörgänge.

Irgendwann hatte ich genug, hüpfte vom Sofa und setzte mich auf den Papierhaufen direkt vor Walters Nase.Walter-Steuer-02-Katze-Illustrationj Er strich mir über das Fell, sagte mit erhobenem Zeigefinger: „Nichts durcheinander bringen, Mietzilein“ und sortierte weiter. Ich begann damit, nach den Dokumenten auf dem benachbarten Papierhaufen zu angeln.Walter-Steuer-03-Katze-IllustrationJetzt erhob Walter neben seinem Zeigefinger auch seine Stimme: „Nicht, Mietze, schön sein lassen“ und setzte sein Tun fort. Schließlich stieg ich in den Karton, aus dem Walter sich gerade bediente.Walter-Steuer-01-Katze-IllustrationDieses Signal verstand er endlich, stand auf, begab sich im Storchenschritt aus seinem Gral und kredenzte mir eine Portion Trockenfutter. Dann setzte er sich unter gequältem Ächzen wieder auf den Fußboden und sortierte weiter.

Das Trauerspiel wollte ich mir nicht länger mit ansehen. Und schon gar nicht anhören. Hastig würgte ich das Trockenfutter runter und machte mich aus dem Staub. Als ich von meinem Rundgang durchs Dorf zurück kam, es war Abend geworden, war Walter dabei, sämtliche Papierhaufen in separate Ordner zu heften. Dann machte er für mich Abendbrot. Bevor er ging, warf er noch mal einen Blick auf die frisch angelegten Ordner und seufzte: „Ach ja, morgen erfassen wir dann alles im PC, was, Mietzilein“. „Nein Danke“, erwiderte ich und nahm mir für den anderen Tag ein Alternativprogramm vor: Shopper-Spotting mit Kumpel.

Und Ihr? Was haltet Ihr von Steuer machen? Denkt Ihr auch, dass das etwas ist, was die Welt nicht braucht? Lasst es mich wissen, wenn Ihr mögt. Eure Monni

Eine schöne Bescherung

Vorgestern war ein besonderer Tag. Walter kam wie jeden Morgen, um mir mein Frühstück zu servieren. „Na, Mietzilein, heute ist Heiligabend. Da hab ich was ganz Besonderes für Dich besorgt: Lachs, gedünstet, mit feinen Krabbenstücken in saftiger Sauce“, las er mir vor, öffnete die Verpackung und gab den Inhalt in eine flache Porzellanschale mit goldenem Tannenzweigdekor am Rand. In eine zweite Schale, ebenfalls aus Porzellan, auf dem Gefäßboden befand sich ein als Weihnachtsmann verkleidetes Rentier und die Aufschrift ‚Merry X-Mas’, füllte er eine doppelte Portion Trockenfutter. Ich begann zu speisen, er strich mir über den Rücken und sagte: „Ja, Mietzilein, lass es Dir schmecken. Und heute Nachmittag gibt es noch eine Überraschung“. Dann verließ er hektisch das Haus.
M-wird-gestreicheltAls er am Nachmittag wieder kam, bugsierte er ein riesiges Paket durch die Tür. Es war eingeschlagen in rotes Papier mit goldenen Sternen und verziert mit einer silberfarbenen Schleife, auf der im Wechsel mit Weihnachtskugeln, Tannenbäumen und Glocken geflügelte Katzen aufgedruckt waren.

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Er stellte das Paket in meinem Zimmer ab und sagte: „So, Mietzilein, jetzt gibt’s erst was zu fressen und dann machen wir Bescherung. Was möchtest Du? Feine Scholle, gegrillt in Kräutercreme?“ „Bitte nicht schon wieder Fisch.“ „Oder vielleicht lieber Hühnerragout mit zarten Gemüsestücken? Na, Fisch gab’s heute Morgen schon, nehmen wir das Huhn, was?“ „Ja, bitte!“ Er servierte mir das Ragout in einer Schale mit stilisierten Schneeflocken. Während ich mich darüber hermachte verschwand Walter in der Küche, um das Geschirr vom Vormittag zu spülen und sich einen Kaffee zu machen. Als ich satt war, begab ich mich aufs Sofa und machte mich daran, mein Fell zu waschen. Jetzt kam Walter in mein Zimmer. Die Tasse mit dampfendem Kaffee, sie war dekoriert mit einem Handstand machenden Weihnachtsmann, stellte er auf dem Beistelltisch neben dem Sofa ab und sagte: „Schau mal Mietzilein, Dein Geschenk. Wollen wir das mal aufmachen?“ Er beugte sich über das Paket, zog an der Schleife, entfernte das Geschenkband und hielt es vor meine Nase. „Schau mal, mit Katzen drauf, extra für Dich“. Dann entfernte er das Geschenkpapier, öffnete das Paket und packte aus: einen ’Trinkbrunnen’, eine ‚Kuschelhöhle groß’ und eine ‚Raketenmaus 9 cm’. „Na, Mietze, wie findest Du das?“

Was für eine Überraschung. Ich hüpfte vom Sofa, um mir die Dinge, die ich vor zwei Wochen im Internet bestellt hatte, aus der Nähe zu betrachten.

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Ich schnupperte am Trinkbrunnen, pfotelte ein paar mal nach der Raketenmaus und begab mich schließlich in die Kuschelhöhle, um ein wenig Probe zu liegen. Während ich so lag und darüber nachdachte, wo wohl der Fur Pong abgeblieben ist, hörte ich, wie Walter sich daran machte, die Verpackung wegzuräumen und Wasser in den Trinkbrunnen zu füllen. Ich schlief ein.

Als ich aufwachte, war es dunkel und Walter gegangen. Ich trank ein wenig aus dem vor sich hinsprudelnden Brunnen und ging dann, ich hatte den ganzen Tag noch keine Pfote vor die Tür gesetzt, rüber, um Walter und seiner Familie in ihrer Edelhütte einen Besuch abzustatten. Nachdem ich mit großem Hallo begrüßt worden war, begab ich mich auf die Sitzlandschaft. Mitten im Raum stand ein prächtig geschmückter Weihnachtsbaum. An einem der Äste hing ein Objekt, das dem bei ‚alles für die Katz’ abgebildeten Fur Pong aufs i-Tüpfelchen glich.

Fur-PongUnd, habt Ihr auch eine Überraschung erlebt? Was habt Ihr so geschenkt bekommen? Lasst es mich wissen, wenn Ihr mögt. Bis dahin, Eure Monni.