Mein Zuhause

Kummerhorst

 

Letzten Samstag kam Besuch: Horst.

Horst

Walter, mein Versorger bat seien Freund herein. Sie kamen in mein Zimmer und setzten sich neben mich auf mein Sofa. Horst ging es nicht gut und er klagte Walter sein Leid: Er wisse auch nicht, was mit ihm los sei, ihm sei so…

Alle: Kinder, Frau, Chef, Finanzamt, würden was von ihm wollen. Er fühle sich so zerrissen.

Horst-zerrissen

Es sei zum Mäuse melken, manchmal wisse er nicht, wo ihm der Kopf stehe.

Horst-sucht-Kopf

Dann würde er sich am liebsten in Luft auflösen.

Horst-loest-sich-auf

„Eieieieiei“, sagte Walter und strich über mein Fell. „Das ist ja, …, hmmm…“ Dann schlug er Horst vor, einen Waldspaziergang zu machen. Bewegung, frische Luft, der Anblick der Natur, das befreie.

„Bisse jeck?“, entgegnete Horst und strich ebenfalls über mein Fell. Eine ganze Weile lang. Dann tätschelte er meinen Kopf und raunte: „Lommer jonn“. Die beiden erhoben sich, verließen mein Zimmer und schließlich das Haus.

Nachdem die Tür ins Schloss gefallen war, döste ich noch eine Weile vor mich hin. Dann schlief ich ein und hatte einen wunderbaren Traum.

Monni-melkt-Maeuse-m-Hinter

Eine schöne Woche wünsche ich Euch, Eure Monni

P.S.: Horst, wer ist das jetzt schon wieder? wird sich jetzt vielleicht der eine oder die andere von Euch fragen. Wer mehr zu ihm erfahren will, kann in der Leiste rechts unter „Kategorien“ auf „Horst“ klicken.

Feriengäste

Oben in der Wohnung sind Feriengäste. Vater, Mutter und drei Kinder im Vorschulalter. Die Kleinen sind sehr süß und haben kräftige Beinchen, mit denen sie vorzugsweise im Laufschritt und in Gruppe die Treppe hoch und runter donnern. Sie machen Skiurlaub. Wenn sie nicht auf der Piste sind, genießen sie die häusliche und außerhäusliche Idylle: „Es ist ja so schön hier, diese Ruhe, und die Kinder haben hier im Haus und draußen ja so viele Möglichkeiten zum Spielen“, sagte die Mutter neulich morgen zu Walter, der gekommen war, um mich zu versorgen.

Gestern Nacht wurde ich geweckt von einem der Dreikäsehoch. Es war das Mädchen mit dem zerzausten Lockenschopf. Sie stieß ihr Fingerchen in mein Fell – ich war sofort hellwach – und sagte: „Katze, komm mit“. Dann ging sie wieder nach oben. Ich wusch ein wenig mein Fell und begab mich dann, von oben vernahm ich Geräusche von aneinander schlagendem Geschirr, ebenfalls in die obere Etage.

Das Mädchen war in der Küche und dabei, die Geschirrspülmaschine mit schmutzigem Geschirr auszuräumen. „Katze, Katze, wir spielen Restaurant. Du bist der Gast und ich der Kellner“, sagte sie und rückte einen der Stühle vom Tisch ab. Ich hüpfte hoch, wetzte meine Krallen an der gepolsterten Sitzfläche und setzte mich hin.

Feriengaeste-01-Katze-Illustration

„Was möchtest Du trinken? Saft oder Milch?“ „Milch“. Sie fischte ein schmutziges Glas aus dem Geschirrspüler, zog einen der Stühle vom Tisch zum Spülstein, kletterte auf den Stuhl, füllte das Glas mit Wasser, kletterte wieder runter und stellte das Glas vor mich hin. Dann sagte sie: „Als Vorspeise gibt es Pfannekuchen“. Sie holte Eier aus dem Kühlschrank und einen schmutzigen Suppenteller aus dem Geschirrspüler, dann kletterte sie wieder auf den Stuhl vor der Küchenzeile, schlug ein Ei samt Schale in den Teller und fügte den kompletten Inhalt der Zuckerdose, die auf der Anrichte stand, bei. Mit einem schmutzigen Löffel vermengte sie alles zu einem bröckeligen Brei. Den servierte sie mir. Sie wartete einen Moment, dann entfernte sie den Teller wieder und sagte: „Als Hauptspeise gibt es…“ Sie ging zum Kühlschrank, suchte darin ein wenig und kam zurück mit einem Teller, auf dem ein frisches Lachsfilet lag. „Oh, ich hab das Besteck vergessen“. Während sie sich abwandte, um im Besteckkasten nach dem geeigneten Besteckteil zu suchen, machte ich mich über den Fisch her. Da das Mädchen Besteck-technisch sehr wählerisch war, hatte ich genug Zeit, mir die Meeresfrucht komplett einzuverleiben.

Feriengaeste-02-Katze-Illustration

Endlich hatte sie das Besteckteil aller Besteckteile gefunden: einen Zestenreisser.

Feriengaeste-03-Katze-Illustration

Sie legte ihn auf dem Tisch ab und sah den leeren Teller. „Oh, schon fertig. Dann gibt’s jetzt Nachtisch: Suppe“. Sie kehrte zur Küchenzeile zurück, kletterte auf den Stuhl und machte sich an einem Topf mit Angebranntem, der zum Einweichen mit einem Spüli-Wasser-Gemisch gefüllt war, zu schaffen. Sie zog und zerrte daran, die Flüssigkeit schwappte über, der Topf geriet ins Gleiten, erreichte die Kante der Arbeitsplatte, glitt darüber hinaus, dann gab es einen kurzen Kampf zwischen Schwer- und Muskelkraft, die Schwerkraft siegte, der Topf polterte zu Boden und der Inhalt ergoss sich über den ganzen Küchenboden. Ich machte mich aus dem Staub.

Kaum war ich auf meinem Sofa, kam oben Leben in die Bude. Der Geräuschkulisse, die teilweise durch die offene Wohnungstür, teilweise durch die Zwischendecke drang, konnte ich entnehmen, dass nun die ganze Familie in der Küche versammelt war. Es wurde geschimpft, geweint, beschwichtigt, getröstet, gewischt, aufgeräumt bis in die frühen Morgenstunden. Dann kehrte Ruhe ein und ich schlief ein.

Und wie haltet Ihr es mit der Gastronomie? Lasst Ihr Euch gerne „verwöhnen“ oder kocht Ihr sicherheitshalber Euer eigenes Süppchen? Lasst es mich wissen, wenn Ihr mögt. Eure Monni

Wie ich mein Haus fand

Heute also beginne ich mein Blog. Herzlich Willkommen, ich freue mich, dass Ihr da seid!

Da Ihr noch so gar nichts von mir wisst, erzähle ich Euch erst einmal, wie ich zu meinem Zuhause kam:

Es war Sommer. Ich war gerade ein halbes Jahr alt. Die Familie war schon seit Tagen am Packen. Als alles fertig war, wurde auch ich ins Auto geladen. In einer Kiste. Dann fuhren wir los. Es war heiß. Nach einer Zeit fuhren wir immer nur noch geradeaus. Zum Glück. Mir war schon ganz schlecht vom Kurven fahren. Es wurde immer heißer. Ich wurde müde und schlief ein. Als ich wieder aufwachte, war es dunkel. Wir hielten an. Ich wurde samt Kiste aus dem Auto befördert. Der Deckel wurde geöffnet. Ich bekam etwas zu fressen. Dann stiegen alle wieder ein und fuhren weg. Ohne mich. Mitten in der Nacht. Als klar war, dass die nicht mehr zurückkommen würden, machte ich mich auf den Weg. Unten im Tal waren Lichter zu sehen. Es dauerte lange bis ich im Dorf war. An der Kellertür eines Hauses direkt an der Durchgangsstraße war eine Katzenklappe. Ich ging hinein. Das Haus war leer. In einem Raum mit Fenster zur Straße stand ein Sofa. Ich legte mich hin und schlief sofort ein.

„Na was ist das denn? Was machst Du denn da? Miezmiez, ts, das ist ja ein Ding.“ Die sonore Stimme eines Mannes in T-Shirt mit dem Aufdruck ‚Walter Solutions’ weckte mich. Der Mann streckte seine Hand aus und strich mir über das Fell. Sie roch nach Wurst. Dann griff er nach dem Teller mit dem Wurstbrot, pflückte die Wurst herunter und streckte sie mir vor die Nase. Was für ein Empfang! Ich fraß begierig. Dann bekam ich noch Wasser. In einem geblümten Unterteller. Der Mann kam auch am nächsten Tag. Und am übernächsten. Und am darauf folgenden. Jeden Tag. Bis heute. Was für ein Glück.

 

FensterMonni-Tag-06

 

Und? Wie lebt Ihr so? In einem Dorf? In einer Stadt? Gibt es bei Euch Berge und Täler wie bei mir? Oder ist alles plattes Land? Was habt Ihr für ein Zuhause? Erzählt es mir, wenn Ihr mögt. Bis dahin, Eure Monni.