Arnold

Helikopterfrauchen

 

Neulich Nachmittag auf einem Streifzug am Dorfausgang traf ich endlich wieder einmal Arnold. Ich hatte ihn seit Wochen nicht gesehen. Er sah komisch aus. So komisch, dass ich im ersten Moment erschrak, als er aus einem Gebüsch sprang und direkt vor meinen Pfoten landete. „Allmächtige Bastet, was ist denn Dir passiert?“, brach es aus mir heraus. „Helikopterfrauchen“, gab er zur Antwort und erklärte, dass er neuerdings im Haus schräg gegenüber wohne, bei Frau Matthes, dem Neuzugang im Dorf. Sie sei sehr nett, er dürfe in ihrem Bett schlafen, ihr Sofa in Beschlag nehmen, erhalte drei mal am Tag eine Nacken-Wellness-Massage und fünf mal am Tag gebe es etwas zu fressen, ausschließlich Premiumfraß, nur vom Feinsten.

Leider sei Frau Matthes auch ein bisschen überbesorgt und habe ständig Angst, ihm könne etwas zustoßen. Sobald sie ihn längere Zeit nicht zu Gesicht bekommen habe, suche sie nach ihm. Egal, wo er sei, ob in der Wohnung,

 

 

h-sucht-in-wohnung

 

im Speicher,

h-sucht-im-speicher

 

im Keller,

h-sucht-im-keller

 

oder draußen.

h-sucht-draussen

 

 

Und das Zeug an seinem Körper sei das Resultat einer medizinischen Überversorgung durch Frau Matthes, die hypochondrisch veranlagt sei.

 

arnold-verletzt-mit-text

 

„Oje“, bedauerte ich den Entstellten. „Iwo“, entgegnete Arnold, der das Verarzten lustig fand und die Verbände und Pflaster mit dem Stolz eines dem Höllenfeuer entgangenen präsentierte. Während wir so plauderten rief von Gegenüber immer wieder jemand: „Peterchen, Peterchen“, dazwischen Geraschel von Kunststoff.

„Peterchen, das bin ich“, sagte Arnold, nachdem er seinen Bericht geschlossen hatte. „Die Vieruhrjause ruft, Bio-Rindfleisch-Riegel. Kommst Du mit?“ Ich lehnte dankend ab, ich hatte keine Lust auf einen Verband. Man weiß ja nie. Wir rieben unsere Schnauzen aneinander, dann schlenderte Arnold über die Straße und verschwand hinter der Hecke seines neuen Heims.

Wunderschöne Woche allerseits und nehmt Euch in acht vor Drohnen und anderen Flugapparaten!

Eure Monni

Beam me up Scotty

Es gibt Tage, da ist einem so

beam-me-up

Man überlegt sich: soll ich mich auf den Bauch legen?

Monni-Pfeile-01

Oder auf den Rücken?

Monni-Pfeile-02

Soll ich mich auf die Hinterbeine stellen?

Monni-Pfeile-03

Oder spazieren gehen?

M-spaziert-in-Sonne

Soll ich was fressen?

Iss-mich

Oder gymnastische Übungen machen?

Monni-macht-Gymnastik

Egal. Alles ist einfach nurAlles-ist-Buaeh

Gut, wenn dann einer vorbei kommt, ein Freund, und einen auf andere Gedanken bringt.

Arnold-troestet-Monni

Eine fröhliche Woche wünsche ich Euch. Eure Monni

Die Rettung

Ich habe Euch ja letzte Woche von einem Loch erzählt, in das Hund, Arnold und ich gefallen, beziehungsweise gerutscht waren. Heute erfahrt ihr, wie wir da wieder raus gekommen sind.

Nachdem ich unten im Loch angekommen war, die Landung war glücklicherweise halbwegs weich, ich fand mich auf einem Haufen halb vergammelter Kartoffeln wieder, machten Arnold, Hund und ich eine kurze Lagebesprechung. Arnold: „Stockfinster hier, was?“ Ich: „Ja, ich kann die Pfote nicht vor Augen sehen“. Hund: „ Nun sitzen wir also in einem Loch und starren Löcher hinein“. Arnold: „Müssen wir jetzt Hungers sterben?“ Hund: „Nein, vorerst nicht. Wir haben ja noch die Kartoffeln.“ Ich: „Igitt“. Arnold: „Essen? Wiewowas?“ Hund: „Hier, Kartoffeln, Du sitzt drauf“. Ich:“ Aber Hund, Du als Omnivore hast leicht reden. Wir Spitzohren sind doch Carnivoren“. Während Arnold in eine Kartoffel biss und fröhlich vor sich hinschmatzte, entspann sich zwischen Hund und mir ein Diskurs über vegane Kost, Vegetarismus, die Wertigkeit von Eiweißen… Dann vernahmen wir von oben ein Poltern, darauf die Stimme von Kumpel: „Achtung, Obacht, ich komme. Alle für einen, einer für alle“. Kaum war das letzte Wort verhallt, purzelte Kumpel auch schon vor unsere Pfoten. Er erhob sich, vergewisserte sich, dass wir alle wohlauf waren und erzählte uns von der rettenden Idee von Karthäuser.

Vor vielen Jahren, er war damals noch ganz klein, war Karthäuser an Fastnacht von ein paar als Piraten verkleideten Spaßvögeln in eine Plastikwanne gesetzt und den Dorfbach hinab geschickt worden.

Katze-faehrt-Boot-Illustration-CartoonDer Dorfbach fließt direkt an Bio-Kalles Hof vorbei. Auf Höhe der Scheune mündet er in einen Tunnel und wird von da unterirdisch an Bio-Kalles Ökonomietrakt und unter der Hauptstraße durchgeleitet. Kurz, nachdem er in den Tunnel eingefahren war, hatte Karthäuser damals linker Pfote eine Tür bemerkt. Es bestehe eine große Wahrscheinlichkeit, dass diese Tür zu dem Kellerraum führe, in dem sie jetzt säßen. Diese Tür müsse nur gefunden und von Hund, dem Türöffungs-Künstler, geöffnet werden, dann wären sie schon so gut wie in Freiheit. „Toll, und wie sollen wir die Tür finden. Ist doch stockdunkel hier. Kein Pfitzel Licht. Da machen selbst unsere Stäbchen-Rezeptoren schlapp“, sagte Hund. „Karthäuser meinte, für Deine Spürnase, sei es ein Leichtes, die Tür zu finden. Du sollst dem Geruch von Wasser folgen“, entgegnete Kumpel. „Ach so, Wasser, klar, denke schon die ganze Zeit, dass es hier verdammt nass riecht“.

Um uns in der Dunkelheit nicht zu verlieren, bildeten wir eine Kette. Vorneweg Hund. Hintendrein wir Spitzohren. Mit den Zähnen hielten wir uns jeweils am Schwanz des vor uns Gehenden fest. Dann legte Hund los, schnüffelte, was das Zeug hielt und lief zielstrebig in eine Richtung. „So, hier ist Ende. Mauer links, Mauer rechts, dazwischen Holz, das muss die Tür sein“, sagte Hund, sprang hoch, pfotelte nach der Falle, fand sie und, Sesam open you, die Tür sprang auf. Vor uns der vorbei fließende Dorfbach, von rechts schimmerte Licht in den Tunnel. Arnold stürmte direkt drauf los und hielt eine Pfote ins Wasser.

Hund-und-Katzen-in-Tunnel-Illustration-Cartoon„Oh, kakakakalt“, rief Arnold entsetzt. „Ja, kalt und nass“, sagte Kumpel. „Eine für Katzen inakzeptable Nässe, hier kommen wir niemals wieder weg“, stellte ich fest. „Iwo“, sagte Hund, „ihr setzt Euch einfach auf mich drauf, mir macht das Wasser nichts“.

Gesagt, getan. Hund legte sich hin, wir drei Wasserscheuen kletterten auf seinen Rücken, Hund stand auf und marschierte los.

Katzen-reiten-auf-Hund-Cartoon-IllustrationDas Plätschern und Gurgeln des Wassers hallte an den Tunnelwänden wider. Arnold hatte großen Spaß am Echoeffekt und unterhielt uns auf unserem Ritt aus der Kartoffelhölle mit einer Aneinanderreihung von Hallos in den verschiedensten Stimmlagen. Am Tunnelausgang erwartete uns schon Karthäuser. Er hatte drei Mäuse und einen Knochen dabei. Zu unserer Stärkung. Was für ein Freund.

Karthaeuser-Maeuse-Knochen-Illustration-CartoonEuch wünsche ich noch eine schöne Woche. Passt auf Euch auf und haltet Euch von schwarzen Löchern fern. Eure Monni

Das Loch

Diese Woche waren wir bei Hund eingeladen. Ich traf ihn auf der großen Wiese oberhalb von meinem Haus. Er sagte zu mir: „Komm morgen vorbei. Es gibt eine Überraschung. Und bring die anderen mit.“ Dann ertönte ein kurzer, schriller Pfiff und Hund war weg.

Tags darauf versammelten wir (Kumpel, Karthäuser, Arnold und ich) uns in der Scheune von Bio-Kalle. Hund kam, setzte sich vor uns hin und verkündete stolz: „Ich war bei meinem ersten Agility-Turnier und habe den zweiten Platz gemacht!“ Wir miauten einträchtig Beifall. Dann erläuterte uns Hund den Parcours: „Also, ich musste zunächst über ein paar Hürden springen“. Hund machte einige Luftsprünge. „Dann ging es über einen Laufsteg“. Hund tänzelte über ein am Boden liegendes Brett. „Dann kamen zwei weitere Hürden“. Hund hüpfte wieder durch die Luft. „Dann musste ich durch einen Tunnel“. Hund robbte vor uns auf dem Boden. „Wieder eine Hürde“, Luftsprung, „dann die Wippe“. Hund zerrte das am Boden liegende Brett mit den Zähnen über eine Holzkiste und demonstrierte die Wippe. „Dann wieder zwei Hürden“, Luftsprung, „noch ein Tunnel“, robbrobb, „und ganz zum Schluss noch eine Hürde“. Hund setzt an zu einem besonders hohen Sprung,

Katzen-schauen-Hund-zu-Illustration-Cartoonstieg auf in die Luft, erreichte den Scheitelpunkt der Flugahn, leitete mit den Vorderläufen voraus den Landevorgang ein, tauchte mit den Pfoten ein ins Heu, es folgten Kopf und Korpus, dann der Schwanz, dann war Hund weg.

Wir schauten uns erst verdutzt an und begaben uns dann, Arnold vorneweg, an die Stelle, wo Hund gerade im Heu verschwunden war. Was wir dort vorfanden, war ein Loch. Von diesem Loch aus führte eine Rutschen-artige Konstruktion hinab in die Tiefe. Um den Rand des Loches versammelt streckten wir die Köpfe in das schwarze Nichts unter uns.

Katzen-Loch-Illustration-Cartoon Ein modriges Lüftlein wehte uns entgegen. Wir riefen nach Hund. Keine Antwort. Wir riefen noch einmal, jetzt lauter. Da vernahmen wir aus der Tiefe ein klägliches Jaulen. Arnold, der sich am weitesten vorwagte und mit der vorderen Körperhälfte schon halb im Loch hing, rief nun so laut er konnte: „Huuuhund, kannst Du uns hören? Jaulen. Er wagte sich noch ein bisschen weiter vor, rief wieder „Huuuhund“, dann verloren seine Hinterläufe den Halt und er rutschte in die Tiefe. Ich, die ich mit einer reflexartigen Bewegung versuchte, ihn festzuhalten, verlor das Gleichgewicht und rutschte hinterher. Während ich so rutschte vernahm ich von oben die Stimmen von Kumpel und Karthäuser. Kumpel: „Herrje, jetzt ist die auch noch weg. Was machen wir jetzt bloß?“ Karthäuser: „Ich, also ähhm“, räusper, räusper, „habe, ähhhm, also eine, hmmm…“ Karthäusers Stimme wurde leiser und leiser. Das letzte Wort, das ich verstand, war ‚Idee’. Dann wurde es stockdunkel.

Wo Arnold, Hund und ich gelandet waren und vor allem wie wir da wieder raus kamen ist eine längere Geschichte. Ich werde sie Euch nächsten Freitag erzählen. Bis dahin: Haltet die Ohren steif. Eure Monni

Katzenkekse

Gestern, nachdem ich mir das von ihm servierte Frühstück einverleibt hatte, wühlte Walter in seinem Rucksack, holte eine kleine Papiertüte raus, wedelte damit vor meiner Nase rum und sagte schließlich mit einem Grinsen im Gesicht: „Schau mal Mietzilein, heute gibt’s was ganz Besonderes, extra für Dich, selbst gebacken: Katzenkekse“. Er entnahm dem Beutel ein Gebäckstück, es hatte die Form eines Katzenkopfes, und hielt es vor meine Schnauze. Es roch nach… nichts, beziehungsweise nach fast nichts, auf jeden Fall nicht nach etwas Essbarem. Aber, um Walter nicht vor den Kopf zu stoßen, nahm ich das Teil und biss hinein.

Monni-mit-Keks-Cartoon-IllustrationEs zerfiel mit einem Krachen in mehrere Einzelteile, die ich unter Aktivierung sämtlicher Speichelsäfte sofort hinunter würgte. Die Kekse waren eine einzige Beleidigung für meine Geschmacksknospen. Pfui Teufel (Anmerkung für Keksliebhaber: Deine Kekse, Pippo, sind sicher eine ganz andere Liga und bestimmt sehr delikat – nicht, dass Du denkst, ich halte Dich für einen Gourmetproll. Mit dem mir kredenzten Machwerk bäckerischer Bemühungen hättest Du sicher auch keine Freude. Basse cuisine wie sie erbärmlicher nicht sein kann. Walter ist kein Vorwurf zu machen. Er hat sicher sein Bestes gegeben. Muss am Rezept liegen – ist wohl einem Mäusehirn entsprungen 🙂 ). Da ich mit dem Gebäckstück aber so schnell fertig war, dachte Walter wohl, es würde mir besonders gut schmecken und hielt mir ein zweites hin. Sodom und Gomorra. Wie sollte ich das bloß noch hinunterbringen?

Dann klingelte Walters Handy. Während er das Gespräch annahm legte er den Cerealien-haltigen Miniaturkatzenkopf in meinen Napf, wo er nun lag und mich frech anglotzte. Meine Rettung war, dass sich am anderen Ende der Telefonleitung jemand befand, der Walter auf einen vergessenen Termin aufmerksam machte. Walter, bestürzt und sich beim Anrufer tausendfach entschuldigend, strich mir schnell noch über den Kopf und verließ dann hektisch das Haus. Die Tüte mit den Keksen ließ er auf dem Schreibtisch liegen.

Kaum war er weg, ging die Katzenklappe. Arnold spazierte in mein Zimmer und fragte: „Gibt’s heute Kekse?“ Sein Erscheinen im direkten Anschluss von Walters Verlassen des Hauses war seit der „Bestellung“ von letzter Woche zum täglichen Ritual geworden. Heute endlich sollte Arnolds Warterei ein Ende haben. Ich zeigte ihm den Keks in meinem Napf. Er machte sich sofort darüber her.

Arnold-KeksEs knackte und krachte in seiner Schnauze, Arnold kicherte und sagte auf meine Frage, ob es schmeckt: „Nein“, krtsch, krtsch, „aber“ krtsch, „es macht“, krtsch „so lustige Geräusche“, krtsch, krtsch, „eine richtige“, krtsch, „Geräuschexplosion“, krtsch, krtsch. Dann war der Keks weg. Arnold wollte mehr. Ich zeigte ihm die Tüte auf dem Schreibtisch. Umgehend nahm er sich ihrer an, angelte einen Keks heraus und biss, Knackgeräusche erzeugend und fröhlich kichernd, darauf herum.

Dann ging erneut die Katzenklappe und Kumpel erschien in meinem Zimmer. Er setzte an zu einer Begrüßung, hörte dann aber die Fressgeräusche vom Schreibtisch, erblickte Arnold und fragte: „Hä, wer bist du denn?“ „Hallo“, krtsch, krtsch, „ich bin“, krtsch, schmatz, „Arnold“, kicher krtsch, „der Schrecken“, kicher, schmatz, „des Universums. Willste“, krtsch, „auchn Keks?“, krtsch, kicher, schmatz. „Kekse?“, fragte Kumpel, „kenn ich nicht. Schmeckt das?“ „Nein, macht aber Spaß!“, sagte Arnold und schob Kumpel, der auf den Bürostuhl gehüpft war, ein Exemplar von Walters Gebäckspezialität hin.

Jetzt bissen sie zu zweit auf den staubtrockenen Backerzeugnissen herum. Erst einfach so. Beim nächsten Keks kauten sie in einem gemeinsamen Rhythmus, schließlich, bei den drei folgenden Keksen, kam eine Tanzeinlage dazu: Krtsch, Pfotenklatscher rechts, krtsch, Pfotenklatscher links, krtsch, Pfotenklatscher rechts, krtsch… usw.

AKKrtsch-02-Illustration-CartoonAKKrtsch-03-Katzen-Illustration-CartoonAKKrtsch-04-Illustration-Katzen-CartoonAKKrtsch-01-Katzen-Illustration-Cartoon

Dann war die Tüte leer und wir machten alle zusammen einen Verdauunsspaziergang.

Katzenkekse backen

Arnold war letzte Nacht wieder hier. Und nicht nur letzte Nacht, auch in den Nächten davor hatte er mich besucht. Genau genommen nicht mich, sondern meinen Internetanschluss. Seit er vor gut einer Woche Bekanntschaft mit dem WWW gemacht hatte, ist er der Technologie des weltweiten Informationsaustausches komplett verfallen. Nachdem er gestern Nacht schon eine ganze Weile hierhin und dahin gesurft war, ich lümmelte derweil auf dem Sofa rum, fragte er mich plötzlich, er war ganz aus dem Häuschen: „Du, Monni, können wir Katzenkekse backen?“

Arnold-aufgeregt-Illustration-Cartoon„Backen? Wir? Kekse?“ „Jaaa, Katzenkekse, schau mal, hier gibt’s ein Rezept“.

Ich hüpfte zu ihm auf den Bürostuhl, um zu sehen, was ihn so in Aufregung versetzte. Arnold hatte die Seite von „Geliebte Katze“ geöffnet und war dort auf den Eintrag „Fix und fein: Katzen-Kekse“ gestoßen. „Also, da ist drin: Mehl, Margarine, Melasse, Katzenflocken“, las ich, die Zutatenliste wiedergebend, vor. „Das ist ja nur Mist. Kein einziges Stück Maus oder sonst was Gescheites. Meinst Du, das schmeckt?“ „Jaaaa“, sagte Arnold mir leuchtenden Augen: „Katzenkekse, Katzenkekse“. „Aber Mehl und Margarine, davon kriegen wir bestimmt Bauchweh. Oder Haarausfall. Oder Katzenjammer im Allgemeinen“. „Ooooch, Katzenkekse. Nur ein klitzekleines allereinzigstes Mal. Man muss es doch wenigstens mal probieren!“, sagte Arnold mit einem Herz erweichenden Augenaufschlag.

Arnold-Monni„Na gut, dann halt“, sagte ich, kopierte das Rezept in eine Textdatei, druckte sie aus, fuhr den PC runter und legte den Ausdruck auf die Tastatur.

Arnold hatte alles genauestens beobachtet und fragte schließlich, nachdem der Bildschirm ausgegangen war: „Geht’s jetzt los?“ „Nein, wir backen nicht selbst, ist viel zu anstrengend. Wir lassen das Walter machen.“ „Walter?, wer issn das?“, fragte Arnold. Ich erklärte ihm, dass Walter mein Versorger ist und gerne den Überblick verliert, dass er, wenn er das Rezept findet, sicher denkt, dass er es selbst rausgesucht hat, um mir, seinem Mietzilein, etwas Besonderes angedeihen zu lassen und dass er das Rezept dann sicher mitnimmt, um sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. „Jetzt müssen wir also nur abwarten und uns in Geduld üben“, sagte ich schließlich.

„Okay“, sagte Arnold, „dann geh ich mal, Tschüss“. Auf dem Weg nach draußen sang er, einen Veitstanz aufführend, die Zeilen: „Heute wart’ ich, morgen schau’ ich und übermorgen hol’ ich dem Walter seine Kekse. Ach wie gut ist, dass ich weiß, dass ich bald in Kekse beiß“.

Arnold-Feitstanz

Er schlüpfte durch die Katzenklappe an der Tür zum Keller, sein Gesang wurde leiser, dann quietschte die Klappe an der Außentür und die Stille der Nacht schlich in mein Zimmer, legte sich über mich und ich fiel in einen tiefen, festen Schlaf.

Kleiner Besuch (Hommage an Diva)

Diese Woche hatte ich Besuch. Nachts. Ich war gerade im Netz und las etwas zum Thema Katzenfrisuren – Sachen gibt’s – da ging die Katzenklappe an der Tür zum Keller. Ich sah vom Bildschirm auf und blickte zur Zimmertür. Ein Wesen der Familie Felidae von sehr kleiner Statur betrat mein Zimmer. Ganz damit beschäftigt, den Raum und die darin befindlichen Nischen und Hohlräume zu erkunden, nahm es mich zunächst gar nicht wahr. Es steckte seine Nase in den Spalt zwischen Wand und offener Zimmertür, unterquerte das Sofa, inspizierte den Unterbau des daneben stehenden Beistelltisches, warf einen Blick unter den Schrank, schnüffelte an einem Stapel Kartons in der Raumecke neben dem Fenster und entdeckte schließlich meinen Futternapf, wo es sich über die halb eingetrockneten Reste meines Abendessens hermachte.

Ich stellte mich vor: „Hallo, mein Name ist Miss Monroe, für Persönlichkeiten mit Charakter oder Manieren: Monni. Und wer bist Du?“ Verdutzt hob das kleine Etwas seinen Kopf, blickte sich im Raum um, bemerkte mich endlich, bäumte sich auf und sagte: „Huah, ich bin Arnold, der Schrecken des Universums.“Kleiner-Besuch-04-Katze-IllustrationDann trat das Minimonster näher, erspähte den Bildschirm und fragte: „Was machstn Du da?“ „Ich bin unterwegs im WWW“, erklärte ich. „Wie, wo, was? Wie kannst Du unterwegs sein, wo Du auf einem Stuhl sitzt?“ „Na hier, über den PC kann ich mit der ganzen Welt in Verbindung treten.“ Er hüpfte zu mir auf den Stuhl, glotzte auf den Bildschirm und fragte: „Echt?“ Dann sah er die Tastatur. „Wozu issn die Schreibmaschine?“, wollte er wissen. „Damit kannst Du Suchbegriffe eingeben oder Nachrichten schreiben. Ich zeigs Dir. Wir besuchen mal das Blog von Diva“.

Kaum hatte ich angefangen, die Internetadresse einzutippen, unterbrach mich Arnold: „Kann ich auch mal?“ „Ach, Du weißt, wie das geht?“, fragte ich. „Klar, hab zu Hause auch son Ding. Is nur höher, hat Stufen und steht Triumph drauf. Is manchmal mein Lieblingsspielzeug.“ „Okay, dann gib mal ein: https//elfediva.wordpress.com. Arnold legte los und hackte im Einpfotensytem und in rasender Geschwindigkeit auf die Tastatur ein.Kleiner-Besuch-01-Katzen-Illustration„Un jetzt?“, fragte er, als er mit der Eingabe der angegebenen Zeichenfolge, erstaunlicherweise war da kein einziger Tippfehler, fertig war. „Jetzt musst Du die Enter-Taste drücken, hier“. Er drückte die Enter-Taste und auf dem Bildschirm erschien das Konterfei von Bordeaux-Dogge Diva.

 

Diva-Kopf-Dogge-Hund-Illustration

 

Arnold riss die Augen auf, wich entsetzt zurück, verlor das Gleichgewicht, purzelte vom Stuhl und versteckte sich unter dem Sofa. Dann wimmerte er mit sehr kleiner Stimme: „Ein…Hund…“Kleiner-Besuch-03-Katze-Sofa-Illustration„Ja“, entgegnete ich, „ein Hund, aber da musst Du keine Angst haben. Der kommt nicht raus, der bleibt im Bildschirm. Außerdem war Diva auf dem tiefsten Grunde ihres Herzens eine ganz nette (Anmerkung des Personals: Diva ist am siebten März straight ahead über die Regenbogenbrücke marschiert. R.I.P., liebe Diva, Du warst eine Wucht!). Schau mal hier zum Beispiel, Diva im Schnee, oder da: Diva am Rhein. Da sieht man sie beim Fressen und da beim Spazierengehen mit einem Pferd.“

Diva-04-Dogge-Hund-Illustration

Diva-02-Dogge-Hund-Illustration

Es dauerte nicht lange und Arnolds Neugier siegte. Er kroch aus seinem Versteck, setzte sich wieder zu mir auf den Stuhl und wir durchstöberten gemeinsam die Blogeinträge von Diva, schauten Bilder an, lasen Kommentare. Arnold war beeindruckt. Nachdem wir uns die halbe Nacht um die Ohren geschlagen hatten, war ich müde geworden. „So, mir reichts, ich geh jetzt schlafen“, sagte ich. „Oooch, kann ich noch ein bisschen?“, quengelte Arnold. „Von mir aus, aber mach keinen Unfug.“ Ich begab mich aufs Sofa und kringelte mich ein. Während Arnold auf der Tastatur rumklapperte, hin und wieder kicherte und seinem Erstaunen über dies und das durch Bemerkungen, wie „cool“, „ach was“, „wirse bekloppt, weisse Bescheid“ Ausdruck verlieh, schlummerte ich ein.Kleiner-Besuch-02-Katze-PC-Illustration