Abenteuer im WWW

Katzenkekse backen

Arnold war letzte Nacht wieder hier. Und nicht nur letzte Nacht, auch in den Nächten davor hatte er mich besucht. Genau genommen nicht mich, sondern meinen Internetanschluss. Seit er vor gut einer Woche Bekanntschaft mit dem WWW gemacht hatte, ist er der Technologie des weltweiten Informationsaustausches komplett verfallen. Nachdem er gestern Nacht schon eine ganze Weile hierhin und dahin gesurft war, ich lümmelte derweil auf dem Sofa rum, fragte er mich plötzlich, er war ganz aus dem Häuschen: „Du, Monni, können wir Katzenkekse backen?“

Arnold-aufgeregt-Illustration-Cartoon„Backen? Wir? Kekse?“ „Jaaa, Katzenkekse, schau mal, hier gibt’s ein Rezept“.

Ich hüpfte zu ihm auf den Bürostuhl, um zu sehen, was ihn so in Aufregung versetzte. Arnold hatte die Seite von „Geliebte Katze“ geöffnet und war dort auf den Eintrag „Fix und fein: Katzen-Kekse“ gestoßen. „Also, da ist drin: Mehl, Margarine, Melasse, Katzenflocken“, las ich, die Zutatenliste wiedergebend, vor. „Das ist ja nur Mist. Kein einziges Stück Maus oder sonst was Gescheites. Meinst Du, das schmeckt?“ „Jaaaa“, sagte Arnold mir leuchtenden Augen: „Katzenkekse, Katzenkekse“. „Aber Mehl und Margarine, davon kriegen wir bestimmt Bauchweh. Oder Haarausfall. Oder Katzenjammer im Allgemeinen“. „Ooooch, Katzenkekse. Nur ein klitzekleines allereinzigstes Mal. Man muss es doch wenigstens mal probieren!“, sagte Arnold mit einem Herz erweichenden Augenaufschlag.

Arnold-Monni„Na gut, dann halt“, sagte ich, kopierte das Rezept in eine Textdatei, druckte sie aus, fuhr den PC runter und legte den Ausdruck auf die Tastatur.

Arnold hatte alles genauestens beobachtet und fragte schließlich, nachdem der Bildschirm ausgegangen war: „Geht’s jetzt los?“ „Nein, wir backen nicht selbst, ist viel zu anstrengend. Wir lassen das Walter machen.“ „Walter?, wer issn das?“, fragte Arnold. Ich erklärte ihm, dass Walter mein Versorger ist und gerne den Überblick verliert, dass er, wenn er das Rezept findet, sicher denkt, dass er es selbst rausgesucht hat, um mir, seinem Mietzilein, etwas Besonderes angedeihen zu lassen und dass er das Rezept dann sicher mitnimmt, um sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. „Jetzt müssen wir also nur abwarten und uns in Geduld üben“, sagte ich schließlich.

„Okay“, sagte Arnold, „dann geh ich mal, Tschüss“. Auf dem Weg nach draußen sang er, einen Veitstanz aufführend, die Zeilen: „Heute wart’ ich, morgen schau’ ich und übermorgen hol’ ich dem Walter seine Kekse. Ach wie gut ist, dass ich weiß, dass ich bald in Kekse beiß“.

Arnold-Feitstanz

Er schlüpfte durch die Katzenklappe an der Tür zum Keller, sein Gesang wurde leiser, dann quietschte die Klappe an der Außentür und die Stille der Nacht schlich in mein Zimmer, legte sich über mich und ich fiel in einen tiefen, festen Schlaf.

Kleiner Besuch (Hommage an Diva)

Diese Woche hatte ich Besuch. Nachts. Ich war gerade im Netz und las etwas zum Thema Katzenfrisuren – Sachen gibt’s – da ging die Katzenklappe an der Tür zum Keller. Ich sah vom Bildschirm auf und blickte zur Zimmertür. Ein Wesen der Familie Felidae von sehr kleiner Statur betrat mein Zimmer. Ganz damit beschäftigt, den Raum und die darin befindlichen Nischen und Hohlräume zu erkunden, nahm es mich zunächst gar nicht wahr. Es steckte seine Nase in den Spalt zwischen Wand und offener Zimmertür, unterquerte das Sofa, inspizierte den Unterbau des daneben stehenden Beistelltisches, warf einen Blick unter den Schrank, schnüffelte an einem Stapel Kartons in der Raumecke neben dem Fenster und entdeckte schließlich meinen Futternapf, wo es sich über die halb eingetrockneten Reste meines Abendessens hermachte.

Ich stellte mich vor: „Hallo, mein Name ist Miss Monroe, für Persönlichkeiten mit Charakter oder Manieren: Monni. Und wer bist Du?“ Verdutzt hob das kleine Etwas seinen Kopf, blickte sich im Raum um, bemerkte mich endlich, bäumte sich auf und sagte: „Huah, ich bin Arnold, der Schrecken des Universums.“Kleiner-Besuch-04-Katze-IllustrationDann trat das Minimonster näher, erspähte den Bildschirm und fragte: „Was machstn Du da?“ „Ich bin unterwegs im WWW“, erklärte ich. „Wie, wo, was? Wie kannst Du unterwegs sein, wo Du auf einem Stuhl sitzt?“ „Na hier, über den PC kann ich mit der ganzen Welt in Verbindung treten.“ Er hüpfte zu mir auf den Stuhl, glotzte auf den Bildschirm und fragte: „Echt?“ Dann sah er die Tastatur. „Wozu issn die Schreibmaschine?“, wollte er wissen. „Damit kannst Du Suchbegriffe eingeben oder Nachrichten schreiben. Ich zeigs Dir. Wir besuchen mal das Blog von Diva“.

Kaum hatte ich angefangen, die Internetadresse einzutippen, unterbrach mich Arnold: „Kann ich auch mal?“ „Ach, Du weißt, wie das geht?“, fragte ich. „Klar, hab zu Hause auch son Ding. Is nur höher, hat Stufen und steht Triumph drauf. Is manchmal mein Lieblingsspielzeug.“ „Okay, dann gib mal ein: https//elfediva.wordpress.com. Arnold legte los und hackte im Einpfotensytem und in rasender Geschwindigkeit auf die Tastatur ein.Kleiner-Besuch-01-Katzen-Illustration„Un jetzt?“, fragte er, als er mit der Eingabe der angegebenen Zeichenfolge, erstaunlicherweise war da kein einziger Tippfehler, fertig war. „Jetzt musst Du die Enter-Taste drücken, hier“. Er drückte die Enter-Taste und auf dem Bildschirm erschien das Konterfei von Bordeaux-Dogge Diva.

 

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Arnold riss die Augen auf, wich entsetzt zurück, verlor das Gleichgewicht, purzelte vom Stuhl und versteckte sich unter dem Sofa. Dann wimmerte er mit sehr kleiner Stimme: „Ein…Hund…“Kleiner-Besuch-03-Katze-Sofa-Illustration„Ja“, entgegnete ich, „ein Hund, aber da musst Du keine Angst haben. Der kommt nicht raus, der bleibt im Bildschirm. Außerdem war Diva auf dem tiefsten Grunde ihres Herzens eine ganz nette (Anmerkung des Personals: Diva ist am siebten März straight ahead über die Regenbogenbrücke marschiert. R.I.P., liebe Diva, Du warst eine Wucht!). Schau mal hier zum Beispiel, Diva im Schnee, oder da: Diva am Rhein. Da sieht man sie beim Fressen und da beim Spazierengehen mit einem Pferd.“

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Es dauerte nicht lange und Arnolds Neugier siegte. Er kroch aus seinem Versteck, setzte sich wieder zu mir auf den Stuhl und wir durchstöberten gemeinsam die Blogeinträge von Diva, schauten Bilder an, lasen Kommentare. Arnold war beeindruckt. Nachdem wir uns die halbe Nacht um die Ohren geschlagen hatten, war ich müde geworden. „So, mir reichts, ich geh jetzt schlafen“, sagte ich. „Oooch, kann ich noch ein bisschen?“, quengelte Arnold. „Von mir aus, aber mach keinen Unfug.“ Ich begab mich aufs Sofa und kringelte mich ein. Während Arnold auf der Tastatur rumklapperte, hin und wieder kicherte und seinem Erstaunen über dies und das durch Bemerkungen, wie „cool“, „ach was“, „wirse bekloppt, weisse Bescheid“ Ausdruck verlieh, schlummerte ich ein.Kleiner-Besuch-02-Katze-PC-Illustration

Internet-Shopping

Ich habe geshoppt: einen ‚Trinkbrunnen’, eine ‚Kuschelhöhle groß’, eine ‚Raketenmaus 9 cm’ und einen ‚Fur Pong’ (keine Ahnung, was das ist). Walter hatte, nachdem er schon seit Stunden im Netz gewesen war, am Nachmittag einen Anruf bekommen. Wie von der Tarantel gestochen war er aufgesprungen und hatte Hals über Kopf das Haus verlassen. Abends war er immer noch nicht zurück. Ich wollte ein bisschen surfen, begab mich an den PC und rüttelte an der Maus.

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Die Verkaufsplattform von ‚alles für die Katz’ erschien.

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Walter war noch eingeloggt, der Warenkorb leer. Ich füllte ihn mit den oben genannten Dingen, klickte bei der Auswahl der Zahlmethode ‚Zahlen auf Rechnung’ an und schickte die Bestellung ab. Dann surfte ich noch hierhin und dahin. Um Mitternacht machte ich die Kiste aus, ging nach draußen und holte mir eine Feldmaus.

Walter wird Augen machen, wenn die Sachen kommen. Oder auch nicht. Er bestellt gerne Dinge im Internet und verliert hin und wieder den Überblick. Ich bin auf jeden Fall gespannt auf die Sachen, vor allem auf den ‚Fur Pong’.

Und Ihr? Habt Ihr auch was geshoppt? Lasst es mich wissen, wenn Ihr mögt. Bis dahin eine gute Zeit. Eure Monni.