Das Loch

Diese Woche waren wir bei Hund eingeladen. Ich traf ihn auf der großen Wiese oberhalb von meinem Haus. Er sagte zu mir: „Komm morgen vorbei. Es gibt eine Überraschung. Und bring die anderen mit.“ Dann ertönte ein kurzer, schriller Pfiff und Hund war weg.

Tags darauf versammelten wir (Kumpel, Karthäuser, Arnold und ich) uns in der Scheune von Bio-Kalle. Hund kam, setzte sich vor uns hin und verkündete stolz: „Ich war bei meinem ersten Agility-Turnier und habe den zweiten Platz gemacht!“ Wir miauten einträchtig Beifall. Dann erläuterte uns Hund den Parcours: „Also, ich musste zunächst über ein paar Hürden springen“. Hund machte einige Luftsprünge. „Dann ging es über einen Laufsteg“. Hund tänzelte über ein am Boden liegendes Brett. „Dann kamen zwei weitere Hürden“. Hund hüpfte wieder durch die Luft. „Dann musste ich durch einen Tunnel“. Hund robbte vor uns auf dem Boden. „Wieder eine Hürde“, Luftsprung, „dann die Wippe“. Hund zerrte das am Boden liegende Brett mit den Zähnen über eine Holzkiste und demonstrierte die Wippe. „Dann wieder zwei Hürden“, Luftsprung, „noch ein Tunnel“, robbrobb, „und ganz zum Schluss noch eine Hürde“. Hund setzt an zu einem besonders hohen Sprung,

Katzen-schauen-Hund-zu-Illustration-Cartoonstieg auf in die Luft, erreichte den Scheitelpunkt der Flugahn, leitete mit den Vorderläufen voraus den Landevorgang ein, tauchte mit den Pfoten ein ins Heu, es folgten Kopf und Korpus, dann der Schwanz, dann war Hund weg.

Wir schauten uns erst verdutzt an und begaben uns dann, Arnold vorneweg, an die Stelle, wo Hund gerade im Heu verschwunden war. Was wir dort vorfanden, war ein Loch. Von diesem Loch aus führte eine Rutschen-artige Konstruktion hinab in die Tiefe. Um den Rand des Loches versammelt streckten wir die Köpfe in das schwarze Nichts unter uns.

Katzen-Loch-Illustration-Cartoon Ein modriges Lüftlein wehte uns entgegen. Wir riefen nach Hund. Keine Antwort. Wir riefen noch einmal, jetzt lauter. Da vernahmen wir aus der Tiefe ein klägliches Jaulen. Arnold, der sich am weitesten vorwagte und mit der vorderen Körperhälfte schon halb im Loch hing, rief nun so laut er konnte: „Huuuhund, kannst Du uns hören? Jaulen. Er wagte sich noch ein bisschen weiter vor, rief wieder „Huuuhund“, dann verloren seine Hinterläufe den Halt und er rutschte in die Tiefe. Ich, die ich mit einer reflexartigen Bewegung versuchte, ihn festzuhalten, verlor das Gleichgewicht und rutschte hinterher. Während ich so rutschte vernahm ich von oben die Stimmen von Kumpel und Karthäuser. Kumpel: „Herrje, jetzt ist die auch noch weg. Was machen wir jetzt bloß?“ Karthäuser: „Ich, also ähhm“, räusper, räusper, „habe, ähhhm, also eine, hmmm…“ Karthäusers Stimme wurde leiser und leiser. Das letzte Wort, das ich verstand, war ‚Idee’. Dann wurde es stockdunkel.

Wo Arnold, Hund und ich gelandet waren und vor allem wie wir da wieder raus kamen ist eine längere Geschichte. Ich werde sie Euch nächsten Freitag erzählen. Bis dahin: Haltet die Ohren steif. Eure Monni

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8 Kommentare

    1. Danke Maren! Soviel kann ich schon mal verraten: bei unserer Rettung kam ich mir ein bißchen vor, wie einer von den Bremer Stadtmusikanten. Dir einen entspannten Samstag und einen tollen Sonntag! LG, Monni

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