Katzenkekse

Gestern, nachdem ich mir das von ihm servierte Frühstück einverleibt hatte, wühlte Walter in seinem Rucksack, holte eine kleine Papiertüte raus, wedelte damit vor meiner Nase rum und sagte schließlich mit einem Grinsen im Gesicht: „Schau mal Mietzilein, heute gibt’s was ganz Besonderes, extra für Dich, selbst gebacken: Katzenkekse“. Er entnahm dem Beutel ein Gebäckstück, es hatte die Form eines Katzenkopfes, und hielt es vor meine Schnauze. Es roch nach… nichts, beziehungsweise nach fast nichts, auf jeden Fall nicht nach etwas Essbarem. Aber, um Walter nicht vor den Kopf zu stoßen, nahm ich das Teil und biss hinein.

Monni-mit-Keks-Cartoon-IllustrationEs zerfiel mit einem Krachen in mehrere Einzelteile, die ich unter Aktivierung sämtlicher Speichelsäfte sofort hinunter würgte. Die Kekse waren eine einzige Beleidigung für meine Geschmacksknospen. Pfui Teufel (Anmerkung für Keksliebhaber: Deine Kekse, Pippo, sind sicher eine ganz andere Liga und bestimmt sehr delikat – nicht, dass Du denkst, ich halte Dich für einen Gourmetproll. Mit dem mir kredenzten Machwerk bäckerischer Bemühungen hättest Du sicher auch keine Freude. Basse cuisine wie sie erbärmlicher nicht sein kann. Walter ist kein Vorwurf zu machen. Er hat sicher sein Bestes gegeben. Muss am Rezept liegen – ist wohl einem Mäusehirn entsprungen 🙂 ). Da ich mit dem Gebäckstück aber so schnell fertig war, dachte Walter wohl, es würde mir besonders gut schmecken und hielt mir ein zweites hin. Sodom und Gomorra. Wie sollte ich das bloß noch hinunterbringen?

Dann klingelte Walters Handy. Während er das Gespräch annahm legte er den Cerealien-haltigen Miniaturkatzenkopf in meinen Napf, wo er nun lag und mich frech anglotzte. Meine Rettung war, dass sich am anderen Ende der Telefonleitung jemand befand, der Walter auf einen vergessenen Termin aufmerksam machte. Walter, bestürzt und sich beim Anrufer tausendfach entschuldigend, strich mir schnell noch über den Kopf und verließ dann hektisch das Haus. Die Tüte mit den Keksen ließ er auf dem Schreibtisch liegen.

Kaum war er weg, ging die Katzenklappe. Arnold spazierte in mein Zimmer und fragte: „Gibt’s heute Kekse?“ Sein Erscheinen im direkten Anschluss von Walters Verlassen des Hauses war seit der „Bestellung“ von letzter Woche zum täglichen Ritual geworden. Heute endlich sollte Arnolds Warterei ein Ende haben. Ich zeigte ihm den Keks in meinem Napf. Er machte sich sofort darüber her.

Arnold-KeksEs knackte und krachte in seiner Schnauze, Arnold kicherte und sagte auf meine Frage, ob es schmeckt: „Nein“, krtsch, krtsch, „aber“ krtsch, „es macht“, krtsch „so lustige Geräusche“, krtsch, krtsch, „eine richtige“, krtsch, „Geräuschexplosion“, krtsch, krtsch. Dann war der Keks weg. Arnold wollte mehr. Ich zeigte ihm die Tüte auf dem Schreibtisch. Umgehend nahm er sich ihrer an, angelte einen Keks heraus und biss, Knackgeräusche erzeugend und fröhlich kichernd, darauf herum.

Dann ging erneut die Katzenklappe und Kumpel erschien in meinem Zimmer. Er setzte an zu einer Begrüßung, hörte dann aber die Fressgeräusche vom Schreibtisch, erblickte Arnold und fragte: „Hä, wer bist du denn?“ „Hallo“, krtsch, krtsch, „ich bin“, krtsch, schmatz, „Arnold“, kicher krtsch, „der Schrecken“, kicher, schmatz, „des Universums. Willste“, krtsch, „auchn Keks?“, krtsch, kicher, schmatz. „Kekse?“, fragte Kumpel, „kenn ich nicht. Schmeckt das?“ „Nein, macht aber Spaß!“, sagte Arnold und schob Kumpel, der auf den Bürostuhl gehüpft war, ein Exemplar von Walters Gebäckspezialität hin.

Jetzt bissen sie zu zweit auf den staubtrockenen Backerzeugnissen herum. Erst einfach so. Beim nächsten Keks kauten sie in einem gemeinsamen Rhythmus, schließlich, bei den drei folgenden Keksen, kam eine Tanzeinlage dazu: Krtsch, Pfotenklatscher rechts, krtsch, Pfotenklatscher links, krtsch, Pfotenklatscher rechts, krtsch… usw.

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Dann war die Tüte leer und wir machten alle zusammen einen Verdauunsspaziergang.

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2 Kommentare

  1. Herrje, du arme Miezekatze, das war ja voll der Keks-Reinfall! Dass ihr merkwürdigen Wesen aber auch so hohe kulinarische Ansprüche stellt… Wir Hunde sind deutlich einfacher gestrickt, zumindest ich und die, die ich kenne. Mein Frauchen ist wahrlich keine gute Keksbäckerin und ich BIN ein Gourmetproll, immer rein damit. 😉 Du solltest das Rezept besser schnell verstecken, sonst droht irgendwann Nachschlag!

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    1. Ja, das mit dem Nachschlag ist mir auch schon durch den Kopf gegangen. Falls Walter auf dumme Gedanken kommen sollte, werde ich wohl die Dienste von Hund – die Sportskanone von Bio-Kalle – in Anspruch nehmen müssen 🙂

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