Snow Adé in St. Tropez

Eine schlimme Woche liegt hinter uns, eine Woche zwischen Bangen und Hoffen.

Wir, Kumpel, Karthäuser, Hund und ich hatten uns ja letzten Freitagabend vor Snows Zuhause verabredet, um ins Haus einzudringen, in der Hoffnung, dort Snow oder einen Hinweis auf ihren Verbleib zu finden. Kumpel und ich waren pünktlich zu Beginn der Dämmerung vor Ort. Karthäuser kam mit Verspätung, Hund gar nicht. Wie sich später heraus stellte hatte er wegen seiner Absenz am Vortag („wo bist Du bloß den ganzen Tag herum gestreunert?“) Stubenarrest. Wir machten uns also zu dritt daran, das Haus nach einer versteckten Katzenklappe, einem nicht richtig geschlossenen Fenster, einem Loch in der Kellertür… abzusuchen. Wir umrundeten das Gebäude samt Satellitenbauten mehrfach, hüpften auf jede zugängliche Fensterbank, lehnten uns mit dem Gewicht unserer drei Körper gegen alle Fenster, mit dem Ziel, eines aufzustoßen.

Snow-weg-04-Katzen-Illustration

Vergebens. Alles blieb verriegelt und verrammelt. Und alles blieb dunkel. Das Haus sah irgendwie verlassen aus. Unverrichteter Dinge zogen wir wieder ab. War Snow mit Frauchen vielleicht nur in Urlaub gefahren, ohne uns Bescheid zu sagen? Die folgenden Tage und Nächte patrouillierten Kumpel und ich immer wieder ums Haus, in der Hoffnung auf ein Lebenszeichen. Aber alles blieb still.

Zwischenzeitlich erreichten uns Meldungen, die unsere Herzen Achterbahn fahren ließen. Ein Hase kam und meinte, er habe eine tote, weiße Katze in einem Straßengraben am Rande des Dorfes gesehen. Es stellte sich heraus, dass es sich dabei um das Überbleibsel eines Narren, beziehungsweise dessen Verkleidung handelte: eine Mütze aus weißem Kunstfell mit angenähten Ohren. Meiers Lumpi berichtete von einer Katze mit verwaschenem, weißem Fell und blauen Augen, die bewegungslos vor Müllers Haustüre verharre. Es stellte sich heraus, dass die Bewegungslosigkeit von der tönernen Materialität der Dekomietze herrührte. So vergingen die Tage ohne nennenswerte Neuigkeiten in Sachen Snow.

Gerstern Nacht schafften wir es endlich doch, in Snows Haus zu gelangen. Mit Hilfe von Hund. Der war durch die versehentlich nicht abgeschlossene Haustüre zu Hause ausgebüchst und unternahm einen Nachtspaziergang. Kumpel und ich trafen ihn zufällig auf dem Weg zu Snow. Er begleitete uns und checkte sofort nach Eintreffen am Objekt, das wir unter Observation genommen hatten, sämtliche Türen. Haustür, Terrassentür, Garagentür: alle abgeschlossen. Dann die Kellertür: Hund sprang hoch, drückte mit der Pfote auf die Klinke und Sesam open you: die Tür sprang auf.

Snow-StTropez-02-Katze-Hund-Illustration

Was für eine Freude. Wir betraten den Keller und gelangten über eine Treppe ins Erdgeschoss, wo Hund noch eine Tür öffnete. Dann waren wir im Flur. Mit Hunds Hilfe, der jetzt ganz im Türöffnermodus war, inspizierten wir jeden Raum. Doch von Snow keine Spur. Nur kühle Luft wehte und entgegen. Es roch nach Leerstand. Als wir wieder im Flur waren, fiel mein Blick auf einen Zettel auf dem Boden unter dem Schlüsselbrett.

Snow-StTropez-01-Katze-Illustration

Ich las laut vor: „Liebe Lena, Bettzeug wie vereinbart in der Truhe. Raklettegeschirr: Keller. Der Aufenthalt hier war wunderbar. Vielen Dank für alles. Viele liebe Grüße auch von Snow :). P.S.: Besuch uns doch mal in St Tropez, mit Edgar. Oder, wenn der nicht kann: mit Deinem roten Teufelchen. Snow vermisst ihn bestimmt :).

Das klang einigermaßen endgültig. Vorerst zumindest. Kumpel stammelte: „Lena, Edgar, meine beiden… also, das müssen die sein… rotes Teufelchen… ich? Snow vermisst Teufelchen… also mich…!!! Dann brach er in Tränen aus. Halb aus Freude, halb vor Schmerz.

Die Sache ist zum Glück gut ausgegangen. Halbwegs. Snow ist wohl auf, allerdings in St. Tropez. Nicht gerade um die Ecke. Kumpel schmachtet jetzt im Liebeskummer, hofft aber auf Reisepläne seines Frauchens. Mit ohne Herrchen. Er überlegt, sich Hörner wachsen zu lassen, um Frauchen an die Reise nach St. Tropez zu erinnern. Zusammen mit ihm, dem roten Teufelchen.

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