Von Zwergen, Bären und anderen schrägen Wesen

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Eine verrückte Woche liegt hinter mir. Schon am letzten Donnerstag ging es los. Bereits früh morgens hielt ein Bus mit der Aufschrift „Narren auf Tour“ auf dem Dorfplatz. Dem Gefährt entstieg eine Horde Wildgewordener im Schlafmützengewand. Nachdem ihnen vom örtlichen Landfrauenverein eine Gulaschsuppe kredenzt worden war, zogen sie durchs Dorf. Sie schlugen mit Suppenkellen und Kochlöffeln auf Töpfe und Bratpfannen ein und skandierten, vor jedem Haus Halt machend, in atonaler Eintracht, wüste Schlacht- und traditionelle Bettelgesänge.

Illustration Geltentrommler

Irgendwann waren sie schräg gegenüber bei Meiers angelangt. Sie brüllten die Losung: „Hoorig, hoorig, hoorig isch diä Chatz, und wenn diä Chatz it hoorig isch, dänn fangt sie kaini Müüs“, die Tür öffnete sich, heraus kamen Frau Meier mit einem Sack voller Süßigkeiten und Herr Meier mit einer Flasche Schnaps und einem Tablett Gläser. Die Süßigkeiten wurden in einen mitgeführten Leiterwagen, der Schnaps auf die schon heiseren Kehlen geschüttet. Dann zogen sie weiter.

Am Nachmittag kam eine Gruppe phantastisch kostümierter Frauen an meinem Fenster vorbei. Mit dabei war Susi, als Harald Glööckler verkleidet. Einige der Frauen fuchtelten schrill lachend mit Scheren in der Luft herum.

Am nächsten Morgen, ich war gerade dabei, die Freitagsgeschichte zu posten, machte sich ein Bär mit gekappter Krawatte torkelnd an meinem Fenster zu schaffen. Mit dem abgeschnittenen Teil der Krawatte vollführte er wilde Auf- und Abbewegungen, als wolle er das Fenster putzen oder mir zuwinken.

Baer-Fenster-01

Den ganzen Samstag über liefen kleine Cowboys, Indianer, Hexen, Skelette, Prinzessinnen… im Dorf umher, ließen Knallfrösche los, jagten einander mit Besen und Beil die Straße hoch und runter oder machten anderen Unfug. Abends sah ich dann Susi, alias Harald Glööckler, gemeinsam mit dem Bären und ein paar Gartenzwergen zum Ochsen schlendern.

Illustration-Harald-Glööckler-Baer

Dort wurde bis spät in die Nacht eine wilde Party gefeiert. Immer wenn die Tür vom Ochsen geöffnet wurde, schwappte die Geräuschkulisse aus Gelächter, Palaver und lauter Musik raus in die Nacht.

Am Sonntag war es dann sehr ruhig im Dorf.

Am Montag bekam ich Besuch von Walter und Horst. Sie kamen vom Ochsenschwanzsuppe-Essen im Ochsen und waren als Piraten verkleidet. Walter holte aus der Ferienwohnung im Obergeschoss den Fernseher und stellte ihn in meinem Zimmer auf. Dann machten es sich die beiden auf MEINEM Sofa gemütlich und schalteten den WDR ein, um dort den Kölner Rosenmontagszug anzuschauen. Als es los ging, sagte Horst. „Katz, luhr ens, dä Zoch kütt“.

Am Dienstag war wieder alles normal. Nur ein paar Gemeindearbeiter, die mit Straßenkehrmaschine und Besen den Dorfplatz reinigten, erinnerten noch an den Ausnahmezustand der Vortage.

Und Ihr habt Ihr auch so eine verrückte Woche hinter Euch? Lasst es mich wissen, wenn Ihr mögt, Eure Monni.

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3 Kommentare

    1. Ja, anstrengend. Aber aus sicherer Entfernung, so von hinter dem Fenster aus, geht es. Ist dann sogar ganz unterhaltsam und hübsch anzusehen. Ein bisschen kann ich es auch nachvollziehen. Haben wir Spitzohren ja auch hin und wieder: unsere verrückten fünf Minuten, wo wir Dinge tun, die absolut plemplem erscheinen. Wo die Lebensfreude dermaßen aus uns heraus quillt, dass es weh tut beim Zusehen 🙂 Ich wünsche Dir noch einen prima Sonntag! LG, Monni

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