Feriengäste

Oben in der Wohnung sind Feriengäste. Vater, Mutter und drei Kinder im Vorschulalter. Die Kleinen sind sehr süß und haben kräftige Beinchen, mit denen sie vorzugsweise im Laufschritt und in Gruppe die Treppe hoch und runter donnern. Sie machen Skiurlaub. Wenn sie nicht auf der Piste sind, genießen sie die häusliche und außerhäusliche Idylle: „Es ist ja so schön hier, diese Ruhe, und die Kinder haben hier im Haus und draußen ja so viele Möglichkeiten zum Spielen“, sagte die Mutter neulich morgen zu Walter, der gekommen war, um mich zu versorgen.

Gestern Nacht wurde ich geweckt von einem der Dreikäsehoch. Es war das Mädchen mit dem zerzausten Lockenschopf. Sie stieß ihr Fingerchen in mein Fell – ich war sofort hellwach – und sagte: „Katze, komm mit“. Dann ging sie wieder nach oben. Ich wusch ein wenig mein Fell und begab mich dann, von oben vernahm ich Geräusche von aneinander schlagendem Geschirr, ebenfalls in die obere Etage.

Das Mädchen war in der Küche und dabei, die Geschirrspülmaschine mit schmutzigem Geschirr auszuräumen. „Katze, Katze, wir spielen Restaurant. Du bist der Gast und ich der Kellner“, sagte sie und rückte einen der Stühle vom Tisch ab. Ich hüpfte hoch, wetzte meine Krallen an der gepolsterten Sitzfläche und setzte mich hin.

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„Was möchtest Du trinken? Saft oder Milch?“ „Milch“. Sie fischte ein schmutziges Glas aus dem Geschirrspüler, zog einen der Stühle vom Tisch zum Spülstein, kletterte auf den Stuhl, füllte das Glas mit Wasser, kletterte wieder runter und stellte das Glas vor mich hin. Dann sagte sie: „Als Vorspeise gibt es Pfannekuchen“. Sie holte Eier aus dem Kühlschrank und einen schmutzigen Suppenteller aus dem Geschirrspüler, dann kletterte sie wieder auf den Stuhl vor der Küchenzeile, schlug ein Ei samt Schale in den Teller und fügte den kompletten Inhalt der Zuckerdose, die auf der Anrichte stand, bei. Mit einem schmutzigen Löffel vermengte sie alles zu einem bröckeligen Brei. Den servierte sie mir. Sie wartete einen Moment, dann entfernte sie den Teller wieder und sagte: „Als Hauptspeise gibt es…“ Sie ging zum Kühlschrank, suchte darin ein wenig und kam zurück mit einem Teller, auf dem ein frisches Lachsfilet lag. „Oh, ich hab das Besteck vergessen“. Während sie sich abwandte, um im Besteckkasten nach dem geeigneten Besteckteil zu suchen, machte ich mich über den Fisch her. Da das Mädchen Besteck-technisch sehr wählerisch war, hatte ich genug Zeit, mir die Meeresfrucht komplett einzuverleiben.

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Endlich hatte sie das Besteckteil aller Besteckteile gefunden: einen Zestenreisser.

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Sie legte ihn auf dem Tisch ab und sah den leeren Teller. „Oh, schon fertig. Dann gibt’s jetzt Nachtisch: Suppe“. Sie kehrte zur Küchenzeile zurück, kletterte auf den Stuhl und machte sich an einem Topf mit Angebranntem, der zum Einweichen mit einem Spüli-Wasser-Gemisch gefüllt war, zu schaffen. Sie zog und zerrte daran, die Flüssigkeit schwappte über, der Topf geriet ins Gleiten, erreichte die Kante der Arbeitsplatte, glitt darüber hinaus, dann gab es einen kurzen Kampf zwischen Schwer- und Muskelkraft, die Schwerkraft siegte, der Topf polterte zu Boden und der Inhalt ergoss sich über den ganzen Küchenboden. Ich machte mich aus dem Staub.

Kaum war ich auf meinem Sofa, kam oben Leben in die Bude. Der Geräuschkulisse, die teilweise durch die offene Wohnungstür, teilweise durch die Zwischendecke drang, konnte ich entnehmen, dass nun die ganze Familie in der Küche versammelt war. Es wurde geschimpft, geweint, beschwichtigt, getröstet, gewischt, aufgeräumt bis in die frühen Morgenstunden. Dann kehrte Ruhe ein und ich schlief ein.

Und wie haltet Ihr es mit der Gastronomie? Lasst Ihr Euch gerne „verwöhnen“ oder kocht Ihr sicherheitshalber Euer eigenes Süppchen? Lasst es mich wissen, wenn Ihr mögt. Eure Monni

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