Begegnung mit Hund

Vor ein paar Tagen, ich war nach erfolglosem Mausen in der Scheune von Bio-Kalle im Heu eingeschlafen, wachte ich auf und vor mir lag Hund (der von Bio-Kalle). Meine Augen, kaum hatten sie sich geöffnet, blickten geradewegs in die rehbraunen Kullerglubscher von Hund.

Monni-Hund-Auge-in-AugeSie waren so dicht vor mir, dass ich zunächst nur mein in ihnen sich spiegelndes Konterfei sah. In doppelter Ausführung. Ich erschrak, denn mein noch schlaftrunkener Denkapparat konstruierte daraus eine Himmelfahrtsszenerie: Ich, als Dahinscheidende, blickt auf dem Weg ins Regenbogenland auf die eigene Seele, die aus dem sich entmaterialisierenden Körper aufsteigt. Aber warum gab es davon zwei? Goethe mit seinen zwei Seelen huschte kurz durch meine Gehirnwindungen. Dann wurde ich etwas wacher und erschrak gleich noch einmal, denn ich erkannte die reale Ursache für mein Spiegelbildduo. Jetzt hob mein Oberstübchen erst richtig ab zur Achterbahnfahrt. Da kam einerseits aus der Abteilung für Erfahrungen und Erlerntes die Meldung: OBACHT! HUND! ALARM! Andererseits sorgte die vom Sehnerv übertragene Information – zwei Riesenglubscher kucken treudoof aus einem süßen Kindchenschemagesicht – für de Ausschüttung von Betütelungshormonen. Aus Unschlüssigkeit, was zu tun sei, blieb ich liegen.

„Hallo Mietze, na, bist Du wach?“ fragte Hund. „Hast Du gut geschlafen?“ Ich überlegte, was es mit den höflichen Worten aus sich haben könnte. Ein Ablenkungsmanöver? Sicherheitshalber fuhr ich schon mal meine Krallen etwas aus.

Monni-Krallen01 „Übrigens, weisst Du, dass Du schnarchst?“ Das war jetzt unverschämt. „Entschuldigung, ich will nicht unhöflich sein, aber mein Herrchen schnarcht auch. Das kommt, wenn man auf dem Rücken liegt, sagt mein Frauchen, und dass man daran ersticken kann. Wenn er schnarcht, weckt sie ihn, damit er sich auf die Seite dreht.“ Aha, jetzt tut er fürsorglich. Wahrscheinlich noch so ein Ablenkungsmanöver. Ich fuhr meine Krallen noch etwas weiter aus.

Monni-Krallen-02-a „Übrigens letzte Woche, da wollte ich nur spielen, aber als ich den Philosophen sah, bin ich lieber gegangen, ich hatte keine Lust auf tief schürfende Gespräche“. Soso, nur spielen… Diese Worte waren der Code für: Achtung, gleich geht’s los. Ich fuhr meine Krallen bis zum Anschlag aus.

Pfote„Na, wie sieht’s aus, hast Du Hunger? Drüben in der Milchküche ist noch ein Schluck Direktmilch, wollen wir uns den einverleiben?“ Jetzt lud er mich auch noch ein. Auf einen Schluck Milch. Ich überlegte, ob dies nun die Finte aller Finten war, ob ich also zum Angriff übergehen sollte, aber das Wort ‚Milch’ aktivierte alle Verdauungssäfte in meinem gähnend leeren Magen, die für das Ausfahren der Krallen verantwortliche Muskulatur erschlaffte, ich stand auf und sagte: „Okay“. „Supi“, freute sich Hund, wedelte mit dem Schwanz, rannte zur Tür, die die Scheune vom Kuhstall trennt, öffnete sie, hielt sie mir auf und sagte: „Komm!“ „Mannomann, ganz schön tricky, und so gut erzogen, Danke“, entgegnete ich, durchaus beeindruckt.

Auf dem Weg zur Milchküche erzählte mir Hund von seinen sportlichen Aktivitäten: „Weißt Du, ich habe Australien Sheppard im Blut. Ich möchte gefordert werden. Zweimal die Woche gehe ich mit Frauchen in die Hundeschule. Am Montag hab ich Obedience, am Freitag Dogdancing, zwischendurch mach ich noch ein bisschen Agility. Ich kann schon Sitz, Platz, Steh, Apportieren und fünf verschiedene Gerüche unterscheiden. Außerdem kann ich Beinslalom, Rückwärtsgehen, Männchen machen und Polonaise. Und beim Agility mag ich am liebsten den Tunnel und die Wippe. Ich freue mich schon aufs Frühjahr. Da mache ich zum ersten mal bei einem Wettbewerb mit, in der Beginnerklasse“.

Illustration-Monni-Hund-Stall

Was für eine Quasselstrippe. Ich staunte nicht schlecht. Wie konnte soviel Sport nur in einen einzigen Hund passen. Dann waren wir endlich da. Hund forderte mich auf, zu speisen. Das tat ich. Es schmeckte vorzüglich. Als ich mein Mahl beendet hatte, war nur noch ein kleiner Rest übrig. „Wie, schon satt? Aber da ist noch was“, sagte Hund. „Kann nicht mehr“, erwiderte ich. Hund erhob sich, beugte sich über den Napf und leckte diesen mit einem einzigen Zungenschlonzer blitz blank sauber.

Illustration-Hund-schleckt-Milch

Anschließend machten wir eine Runde über den Hof. Hund zeigte mir den Hühnerstall, die Ponyweide und den Gebäudetrakt mir dem Maschinenpark. Plötzlich ertönte ein schriller, kurzer Pfiff und Hund war weg.

Auf dem Heimweg musste ich über einen Zaun. Ich sprang drüber, auf der anderen Seite saß ein Hase. „Ah, machst Du auch Agility?“ fragte er mich. „Nein, Parcour!“, entgegnete ich und ließ den verdutzten Hasen hinter mir zurück.

Und wie sieht’s bei Euch aus? Seid Ihr auch so Sportskanonen wie Hund oder mögt Ihr es lieber gemütlich? Lasst es mich wissen, wenn Ihr mögt. Eure Monni

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7 Kommentare

    1. Bin ich ganz Deiner Meinung. Also, was die Gemütlichkeit anbelangt. Kann man, finde ich, zu jeder Tages- und Nachtzeit und ganz unabhängig vom Alter zelebrieren 🙂 Schönen Sonntag noch. Gibt heute bestimmt nen Extrakeks, oder ? 🙂

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    1. Liebe Rosie, ja, nach anfänglicher Skepsis finde ich jetzt auch, dass Hund ein richtig feiner Kerl ist. Freue mich auch schon auf das nächste Abenteuer mit ihm. Schade, dass er immer so viele Termine hat… 🙂 Wünsche Dir noch einen tollen Sonntag. Monni

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    1. Ach, liebe(s?) hex’nhais’l, ein Welt umspannendes Schnurren entströmt meinem Zungenbein. Toll. Werd ich umgehend meinem Personal weiterleiten! Wünsche Dir noch einen wunderbaren Tag beim Tanzen mit tanzenden Schneeflocken. LG, Monni

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