Mit Snow im Heu

Kumpel hat mich mit Snow bekannt gemacht. Wir trafen uns in der Scheune von Bio-Kalle. Snow wollte unbedingt wissen, was Heu ist, denn da, wo sie vorher war, gibt es keines. „Schön, dieses Heu, so weich, es liegt sich ganz vortrefflich darin. Snow räkelte sich im getrockneten Grün und wühlte mit der Pfote in den Halmen.

Illustration-Katze-Snow-im-Heu

Sie blickte sich in der Scheune um. Alles voll mit Heu. Heu, Heu, Heu, soweit das Auge reichte. „Hier müssen viele Katzen wohnen. Bei so einem riesigen Katzenbett.“ „Das Heu ist für die Kühe“, erklärte Kumpel. „Die fressen das“. „Was ist Kühe?“ fragte Snow. „Du hast noch nie Kühe gesehen?“, staunte ich. „Und Schafe? Schweine? Ziegen? Pferde?“. Snow zuckte bei der Nennung eines jeden Huftieres mit den Schultern. „Dann lasst uns Kühe kucken“, sagte Kumpel. Durch ein loses Brett in der Holztüre, die die Scheue mit dem angrenzenden Wirtschaftsteil verbindet, gelangten wir in den Stall. Der mittig angelegte Gang war beidseits gesäumt von mit Heu gefüllten Gittertrögen. Dahinter aufgereiht, wie an einer Perlenkette, standen sie, die Bio-Kühe von Kalle, dampfend und Heu mampfend.

Illustration-Kuhstall

Snow studierte staunenden Blickes die Physiognomie der gleichmütig aus der Wäsche schauenden Tiere. Dann stutzte sie: „Was sind denn das für Zipfel am Bauch?“

Illustration-Euter-Kuh

„Das ist die Zapfanlage für Milch“, sagte Kumpel. „Komm, wir gehen zur Milchküche, da stellt der Bauer seinem Hund immer eine Schale mit frisch gezapfter Milch hin, vielleicht ist noch was da“.

Schon als wir uns der Milchküche näherten vernahmen wir Schmatzgeräusche. Wir betraten den Raum. Vor der Schale mit frischer Milch saß Karthäuser, der sich genüsslich über das weiße Nass hermachte. „Hey, Karthäuser, lass uns was übrig“, rief Kumpel. Karthäuser hielt inne, hob in Zeitlupentempo den Kopf und aus seiner von einem Milchbart gezierten Schnauze purzelten die Worte: „Ähhhm, also, hmm“, Pause, „jaaaa“, guck in die Luft, „hmmmm,“ räusper, „halloooo“. Dann erhob er sich gemächlich, trat einen Schritt zurück, setzte sich auf die Hinterbeine, machte ein Bäuerchen, begann mit den Vorderläufen den Schnauz zu waschen und bedeutete uns mit einem Kopfnicken die Freigabe der noch zur Hälfte mit Milch gefüllten Schale. Snow kostete. Erst vorsichtig, dann mit Begeisterung, dann begierig. Als sie satt war, machte auch sie ein Bäuerchen. Kumpel und ich machten uns über die restliche Direktmilch her.

Mit wohlig gefüllten Bäuchen beschlossen wir, in die Scheune zurück zu gehen und es uns dort im Heu gemütlich zu machen. Wir luden auch Karthäuser dazu ein. „Ähhhm, also, hmmmm“, Pause, „jaaa“, guck in die Luft, „hmmmm…“, hob Karthäuser an, sich die Einladung durch den Kopf gehen zu lassen.

Karthaeuser-01

Wir sagten ihm, dass wir schon mal voraus gingen und dass er ja gegebenenfalls nachkommen könne, wenn er eine Entscheidung getroffen habe.
In einem besonders luftigen Heuhaufen nahmen wir Platz, begannen, uns zu waschen und zu plaudern. Snow erzählte von ihrer Heimat. Davon, dass es dort sehr viel Wasser gebe, dass das viele Wasser Meer heiße, sie beschrieb die Tiere, die im Meer wohnen: die Fische, die Seeigel, die Seesterne, die Muscheln, die Quallen… sie erzähle vom Hafen, vom Fischmarkt, von der würzigen Meeresluft, von wundersam duftenden Kräutern, von Gestrüpp-artigen Wäldern, von steilen Klippen, lilafarbenen Lavendelfeldern und vom leuchtenden Grün des auf weitläufigen Flächen angepflanzten Weins. „In, ähhhm, also, hmmm“, räusper, „vino“, Nase hochzieh, „ähhhhm“, guck in die Luft, „veritas“, gab Karthäuser, der nun auch zu uns gefunden hatte, zum Besten.

Kaum hatte Karthäuser seine Sentenz beendet, vernahmen wir an der Tür zum Stall ein Rascheln, die Tür wurde aufgestoßen und herein kam der Hund von Bio-Kalle. Er sah sich um, entdeckte uns, seine Augen weiteten sich, er setzte zum Sprung an, dann, im letzten Moment, nahm er Karthäuser wahr. Der hatte sich erhoben und blickte mit der Präsenz seiner stattlichen Leiblichkeit dem Hund direkt in die Augen. „Au Backe, der Philosoph“, hörten wir den Hund murmeln. Mit eingezogenem Schwanz machte er kehrt und verließ umgehend die Scheune.

Illustration-Katzen-Karthaeuser-Hund

Wir waren beeindruckt. Kumpel gab, um seiner Erleichterung Ausdruck zu verleihen, Karthäuser einen Knuff, ich rieb meine Schnauze an Karthäusers rechten Backe, Snow die ihre an seiner linken.

Illustration-Katzen-im-Heu

Dann machten wir alle ein Nickerchen. Als ich aufwachte, waren die anderen schon weg. Ich holte mir noch eine Biomaus und machte mich dann ebenfalls auf den Heimweg.

Und Ihr? Habt Ihr auch schon mal im Heu gelümmelt? Lasst es mich wissen, wenn Ihr mögt. Eure Monni.

Advertisements

4 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s