Mit Horst in Köln

Koeln-02

Ich war mit Horst in Köln. Er stellte mal wieder seine Transportkutsche vor meinem Haus ab. Ich ging sofort hinaus, um mich zu beschweren. Bis ich durch all die Katzenklappen und ums Haus gespurtet war, befand sich draußen schon keiner mehr. Die Tür vom Führerhaus stand offen. Ich kletterte hinein. Sitz, Lenkrad, Armaturenbrett – alles roch streng nach Schweiß, Kaffee und Gebratenem. Hinter den Sitzen trennte ein Vorhang den rückwärtigen Teil des Führerhauses ab. Dort hinten befand sich eine Pritsche mit Matzratze und Wolldecke. Ich machte es mir bequem und schlief ein.

Donnerndes Motorengeräusch riss mich aus dem Schlaf. Horst hatte die Maschine gestartet und fuhr los. Schrecken durchfuhr meine Glieder, eine Schockstarre machte meinen Körper bewegungsunfähig. Ich blieb wie angewurzelt liegen. Mit Getöse kämpfte sich der Vierzehntonner den kurvenreichen Berg hinauf. Wir durchquerten das Nachbardorf, dann ging es auf die Bundesstraße. Jetzt wurde der Motor leiser, brummte in gleichmäßiger Monotonie vor sich hin. Ich lugte durch einen Spalt zwischen Vorhang und Seitenfenster hinaus auf die Landschaft. Wälder, Wiesen, Felder zogen an uns vorbei. Das war sehr ermüdend. Ich schlief wieder ein und sank in einen tiefen, festen Schlaf.

Es mussten Stunden vergangen sein, als ich erneut aufwachte. Horst und sein Radio sangen in kakophonischer Eintracht: „Mer losse den Dom in Kölle, denn do jehört er hin…“ Als sie damit fertig waren, ging ich nach vorne, setzte mich auf den Beifahrersitz und sagte „Miau“. Horst trat vor Schreck auf die Bremse, der LKW kam ein wenig ins Schlingern. Als er und Horst sich wieder gefangen hatten, sagte Horst, abwechselnd sich auf die Fahrbahn konzentrierend und zu mir her glotzend, „Na, wer biss Du denn ? Biss Du nit, na Du biss doch…“. „Guten Tag, mein Name ist Miss Monroe. Für Persönlichkeiten mit Charakter oder Manieren: Monni“, unterbrach ich ihn. „Du bis doch die Katz von dem Walter“, fuhr er fort. „Na, wie komms Du denn hier hin, dat is ja ne Ding“. Dann kratzte er sich am Kinn, griff sich von der Mittelkonsole den Thermobecher mit Kaffee, nahm einen Schluck, stellte den Becher wieder hin, kratzte sich am Kopf und sagte: „Na, jetzt wo de schon mol do biss, fährste halt mit. Mer fahre no Kölle, dat iss die schönste Stadt uff der janzen Welt“. Dann erzählte er vom Dom, dem schönsten sakralen Gebäude der Welt, von Kölsch, dem besten Bier der Welt, vom ‚Rhing’, dem schönsten Fluss der Welt… Als er mit der Ortsbeschreibung fertig war, hatte er ganz glasige Augen. Dann sagte er: „In ere Stung simmer do. Vorher jommer no wat essen, hässe och Hunger, wat?“ Er fuhr seine Pranke aus, streichelte mir über den Kopf, setzte den Blinker und fuhr von der Autobahn ab auf den Rasthof ‚Brohltal’. Bevor er ausstieg, sagte er: „Isch hann Hunger uff ene Frikadell met Äädäppelschlot. Un Du?“ „Ich nehme Mäuseragout mit Sahnesoße“, sagte ich. „Na für Dich hole mer ene Woosch, wat?“ Dan stieg er aus, schlug die Tür zu und verschwand Richtung Rasthof. Eine viertel Stunde später kam er zurück mit zwei Tüten. „Luhr ens, wie dat duftet. Do hann isch uns wat Schönet mitjebracht.“ Zuerst packte er meine Wurst aus und schnitt sie mit dem Klappmesser eines Multifunktionstools, das sich an seinem Schlüsselbund befand, in schnauzengerechte Happen. Dann holte er Messer und Gabel aus dem Handschuhfach und öffnete den Deckel des Einweggeschirrs mit seinem Hackfleischbratling plus Kartoffelsalat. Wir ließen es uns beide schmecken. Dann fuhren wir weiter.

Endlich tauchte die Skyline von Köln vor uns auf. „Luhr ens, dä Dom, un do, dä Colonius.“ Wir umrundeten, immer noch auf der Autobahn, die halbe Stadt, dann fuhren wir ab, vorbei an einem Park, dann ging es über eine Brücke. „Luhr ens, dä Rhing, un do vorne, dä Dom mit dä Hohenzollernbrück“. Wir fuhren von der Brücke ab. „Luhr ens, jetz simmer op dä Schäl Sick. Un do vorne rechts, dat is die Kölnarena“. Wir befanden uns bereits wieder auf einer Autobahn, fuhren auf dieser ein Stück, dann ging es auf eine andere Autobahn und dann auf noch eine andere Autobahn. Dann stockte der Verkehr, dann kam er zum Stillstand. „Driss Stau“, sagte Horst. „Na ejal, mer fahren gleich ab“. Dann kam die Ausfahrt, wo Horst raus wollte, dann ein Schild ‚Ausfahrt gesperrt’. „Driss Baustell. Wat mache mer jetzt?“ Wir fuhren weiter geradeaus. Dann kam eine Brücke, „Luhr ens, dä Rhing“, kurz danach eine Ausfahrt. „Na dann probiere mer dat do“, sagte Horst. Es ging ein Stück den Rhein entlang. Einige historische Gebäude säumten die Straße, dann erschienen rechter Hand drei megalomane, imposante Gebäude. Sie hatten die Form eines auf dem Kopf stehenden L. „Luhr ens, dä Rheinauhafen. Un links, dä Südstadt. Un do vorne, dat Schokomuseum“. Dann ging es zum dritten Mal über eine Brücke. Ich wartete schon auf Horsts obligatorisches „Luhr ens, dä Rhing“, Aber er sagte nur: „Jaja, dä Rhing, dä Rhing“.
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Nach einem halbstündigen Zick-Zack-Kurs durch das Stadtgebiet auf der ‚Schäl Sick’ waren wir endlich am Ziel. Es war schon später Nachmittag. Nachdem die Ladung gelöscht war setzte die Dämmerung ein. Wir fuhren auf den nächsten Rastplatz, wo wir übernachteten. Am nächsten Morgen machten wir uns in aller Frühe auf den Heimweg. Es regnete während der ganzen Fahrt. Kurz bevor wir zu Hause ankamen, ging der Regen in Schnee über. Die Dächer im Dorf waren schon ganz weiß.

Und Ihr? Wart Ihr auch schon einmal in Köln? Lasst es mich wissen, wenn Ihr mögt. Eure Monni.

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