Walter häkelt

Walter hat gehäkelt. Einen Bart. Für Susi. Neulich kam er, startete den Computer, machte sich einen Kaffee, surfte ein bisschen im Internet und druckte etwas aus. Dann ging er zu seinem Rucksack, holte ein Wollknäuel ‚Biobaumwolle, schwarz’ und eine Häkelnadel raus, setzte sich zu mir aufs Sofa und sagte: „Schau mal, Mieze, eine Häkelanleitung für einen Bart. Den mache ich für Susi“. Dann legte er los. „Also, Luftmaschen anschlagen, Anzahl ist abhängig von Wollstärke, so viele, bis die ‚Schnur’ vom einen bis zum anderen Ohr reicht…“, las er in der Anleitung und begann, Masche an Masche zu reihen.

Walter-haekelt-02Das Garn zappelte lustig auf und ab, die ‚Schnur’ aus Luftmaschen wurde lang und länger. Als sie cirka dreißig Zentimeter lang war, hielt Walter sie sich vors Gesicht. Sie reichte fast von Ohr zu Ohr. „Na, für Susis Kopf müsste das lang genug sein, was?“, sagte er und las wieder in der Anleitung: „Bei richtiger Länge abwechselnd gemäß Anleitung hin- und zurückhäkeln“. Er setzte seine Arbeit fort, das Textil wuchs.

Walter-haekelt-01Während er so vor sich hin häkelte, erzählte er: von der Mottoparty – prominente Persönlichkeiten -, zu der Susi und er eingeladen sind, davon dass Susi als Harald Glööckler, er selbst als Angela Merkel – ein maisgelbes Kostüm dafür habe er sich schon bei Susis Mutter ausgeliehen – gehen wolle, davon, dass man so ein Bartimitat natürlich auch kaufen könne, dass Susi aber allergisch auf alles Mögliche reagiere und dass er mit Biobaumwolle auf der sicheren Seite sei, überhaupt, dass das eine hübsche Überraschung werden würde, was selbst Gemachtes, dass er einfach gerne häkle, dass er das schon von seiner Oma beigebracht bekommen habe… Er redete und häkelte und redete und häkelte… Seine sonore Stimme und die monotone Tätigkeit machten mich müde, ich schlief ein.

Es dämmerte schon, als ich wieder aufwachte. Walter hatte Licht gemacht, hielt sich das fertige Wollteil vors Gesicht und fragte euphorisch: „ Na Mieze, wie sieht das aus?“

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„Sieht aus, wie ein vors Gesicht gehaltenes Wollteil“, sagte ich. „Ist das nicht ein toller Bart? Susi wird Augen machen!“, freute sich Walter. „Was man aus ein bisschen Wolle alles machen kann!“ „Jaja, Ideen muss man haben“, sagte ich. „Schau mal, da ist noch Wolle übrig, wollen wir davon für Dich Socken häkeln?“ „Nein, danke“. „Na da mach ich wohl besser Topflappen draus, was?“, sagte Walter, wickelte das Bartimitat in buntes Papier und machte eine Schleife drum. Dann machte er für mich Abendbrot. Es war schon dunkel, als er das Haus verließ.

Und Ihr? Was häkelt Ihr so? Oder seid Ihr eher Stricker? Oder Näher? Oder Schrauber? Lasst es mich wissen, wenn Ihr mögt. Bis dahin, Eure Monni.

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