Kumpel macht Wellness

Gestern waren wir an der Wassertretstelle. Kumpel hatte gehört, wie erfrischend es sein soll, im Wasser zu waten und wollte das unbedingt selbst ausprobieren. Wir kannten den Weg dorthin nicht und marschierten einfach drauflos. Kumpel war sehr ungeduldig, hüpfte um mich rum und fragte immer wieder, wann wir endlich da seien. Ich hielt angestrengt Ausschau nach einem Wegweiser. Dann kamen wir an einem Haus vorbei, in dessen Vorgarten eine Bank stand. Darauf saß ein beleibter Karthäuser.

Karthaeuser-01Den fragte ich nach dem Weg. „Guten Tag, mein Name ist Miss Monroe, für Persönlichkeiten mit Charakter oder Manieren: Monni. Weißt Du, wie wir zur Wassertretstelle kommen?“„Ähm, also, jaaa“, räusper, hüstel. „Aaalso“, hüstel, Pause. Räusper. „Da geht Ihr am besten“, hüstel, hüstel, „aalso, äähhhm“, kratzen am Kopf, „das Einfachste wäre“, Pause. „Wäre“, Nase hochzieh, „hmmmmm“, guck in die Luft, „oder nein, vielleicht doch eher…“

Während das graue Schwergewicht unter Aneinanderreihung von Inhaltlosem um Worte für die perfekte Wegbeschreibung rang, machte Kumpel drei Purzelbäume, einen Pfotenstand, zwei Liegestützen, einen Kopfstand, vier Sit-ups und einen Salto rückwärts.

K-Salto-rueckwaerts

Ich scannte derweil die Straße weiter nach einem Wegweiser ab. Und fand auch endlich einen. Ich bedankte mich freundlich beim Grauen, der gerade ein besonders lang gezogenes ‚Ähm’ von sich gab, fürs Gespräch und wir zogen weiter, dem Schild ‚zur Wassertretstelle’ folgend, dorfauswärts, Richtung Süden. Nachdem wir das Dorf hinter uns gelassen hatten, ging es über einen Feldweg, vorbei an einer Straußenfarm und über einen schmalen Pfad, der eine Obstbaumplantage säumte, zum Waldrand.

Dann waren wir endlich da, an der ‚Kneipp-Anlage. Zutritt für Kinder unter 12 Jahren nur in Begleitung eines Erziehungsberechtigten. Hunde verboten. Mit freundlicher Unterstützung der Freizeitgruppe Wälderperle’. Zu unseren Pfoten befand sich ein in die Erde eingelassenes längliches Wasserbecken. Ohne Wasser. Dieses hatte man wegen Frostgefahr bereits abgelassen. Statt dessen war das Becken halb hoch gefüllt mit Laub. Entlang der Mittelachse des Bassins befand sich ein stählerner Handlauf, drei Stufen an einem der kurzen Enden des Beckens führten hinab zu den dem Verrottungsprozess anheim gegebenen Blattmassen.

Ohne lange zu fackeln positionierte sich Kumpel am Beckenrand, sprang mit einem Riesensatz hinein ins Blätterbad – sein Körper verschwand bis zu den Schultern im Laub, nur Kopf, Rücken und Schwanz schauten noch heraus –  und begann, unter heftigem Geraschel das Stahlgeländer zu umrunden. Als er fast rum war, trat eine Schrumpffamilie hinter dem Gebüsch, das die Wassertretstelle vom Parkplatz trennte, hervor. Die Mutter rief entsetzt: „Was ist denn das?“ Der Halbwüchsige kreischte: „Iiii, eine Ratte“. Das Kleinkind im Kinderwagen begann zu schreien. Kumpel kletterte über die Stufen aus dem Becken, schüttelte sich, lief los und rief mir im Galopp zu: „Komm, schnell nach Hause, ich hab mächtig Kohldampf“. Daheim verdrückte er eine Portion Huhn, eine Portion Rind, eine Portion Lamm und eine halbe Portion Trockenfutter.

Und Ihr? Habt Ihr auch schon einmal gekneippt? Was haltet Ihr von Wellness im Allgemeinen? Und von Wassertretstellen im Besonderen? Lasst es mich wissen, wenn Ihr mögt. Bis dahin eine gute Zeit, Eure Monni.

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